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Topographie der sichtbaren Mondoberfläche. Erste Abtheilung / Wilhelm Gotthelf Lohrmann
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Berechnun gs - Theorie.

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Laren Mondrandes und sein Acquator bildete eine durch die Mondmittc *) gehende gerade Linie. Manhaue dann zu Bestimmung des selenograpliischcn Orts eines Gebirgs nur nölhig, den Bogen zwischenGebirg und Mondmilte und die Neigung dieses Bogens gegen den Mondäquator aus Beobachtungenabzuleiten.

Es ist aber bereits §. 14. erklärt worden, wie der elliptische Lauf des Mondes um die Erde, undseine gleichförmige Rotation in einer gegen seine Bahn geneigten Richtung für den Beobachter auf derErdoberfläche eine mit jedem Augenblicke sich ändernde Schwankung der Mondkugel erzeugt. Da-durch wird der Nullpunkt oder der Durchschnittspunkt des ersten Mondmeridians und des Mondäquatorsvon der Mondmittc entfernt, ein anderer Punkt der Mondoberlläche tritt in die scheinbare Mondmiue,und sowohl der erste Meridian als der Mondäquator erscheinen ellipsenförmig.

Diese rein optische Orlsverrückung zu bestimmen, und aus den, auf die scheinbare Mondmiuesich beziehenden Beobachtungen, den selenograpliischcn Ort des beobachteten Gebirgs herzulciten, istder Gegenstand der folgenden Abhandlung.

$. 24 .

Die vorzüglichste Basis der Berechnung ist das folgende, bereits früher erwähnte, der Theorieentsprechende und durch die ältesten sowohl als durch die neuesten sehr zahlreichen Beobachtungenund Berechnungen der Herren Bouvard und Nicollet zu Paris vollkommen bestätigte Cassiuische Gesetz:

Die Neigung des Mondäquators gegen die Ebene der Erdbahn ist constant, seinaufsteigender Knoten liegt mit dem niedersteigenden Knoten der Mondbahn ineinem Punkte, und die Mondkugel selbst dreht sich während ihres periodischenUmlaufs um die Erde völlig gleichförmig einmal um ihre eigne Axe.

Nach Nicollcts Berechnungen scheint zwar der ft des Moudäquators nicht völlig genau ruit demt5 der Mondbahn zusammenzufallen-, iudess ist die gefundene Differenz so klein, und wird wegender geringen Neigung des Moudäquators gegen die Ekliptik bei der kleinsten Verschiedenheit in derAnnahme noch nicht völlig genau bestimmter Reehnuiigsclemente, besonders des Mondhalbmessers, soplötzlich geändert, dass man ein völlig genaues Zusammenfallen dieser Knoten anzunchmcn, berech-tiget ist. Es ist daher, hei den folgenden Rechnungen, die Länge des ft des Mondäqualors in derEkliptik, der Lauge des £5 der Mondbahn völlig gleich gesetzt worden.

Die Neigung des Moudäquators gegen die Ebene der Ekliptik fand Nicollet 1 0 30' <>" wenn derMondhalbmesser aus Burkhardts Tafeln unverändert in Rechnung kam. Eine, zuni Behuf der Prüfungdes Mondhalbmessers vorgenommene zweite Berechnung der nämlichen Beobachtungen, wo jener Burkbardische Mondhalhmcsser um 2 " kleiner angenommen wurde, gab für jene Neigung 1 28 42 ",

zeigte mdess zugleich, dass die angenommene Verkleinerung des Mondradius von 2 ' etuas zu grossWar, und nur ungefähr 1" betragen könne.

*) Unter Mondmitte ist der Punkt verstanden, der auf der Mondoberfläche dem Beobachter in der Mitte derscheinbaren Mondscheibe zu liegen scheint; unter Mond- Centrum aber der wahre innere Mittelpunktder Mondkugel.