10 Kurze Geschichte des Finanzwesens
****> Und zwar geschahe dieses mit solcher Geschwindigkeit,daß Livius saget, es habe nicht anders geschienen, alswenn die Götter die Bäume in Schiffe verwandele hat-ten. Ein Unternehmen, welches vielleicht nur den Rö-mer» möglich war, wenn man erwäget, wie schwer esheutiges Tages mächtigen Landpotenzen fällt, sich nureiniger maaßen zur See in Verfassung zu setzen. Undwas das verwuudcrnswürdigste war; so schlug eineFlotte von 80 Seegeln, die in 70 Tagen erbauet, undmit ungeübten Seeleuten besetzet war, die weit stärkereearthaginenstschc Flotte, die nichts als versuchte Seeleutehatte.
§. VI.
Die römische Handlung verfiel, so wie sich dieses Reichdurch die schlechte Verwaltung der Kaiser nach der Thei-lung*) zu seinem Untergangs neigete; und ob zwar das rö.mische Kaiserthum in Orient, besonders zuConstantinopel,anfangs eine beträchtliche Handlung hatte; so nahm je-doch auch diese nach der Maaße ab, wie dieses Reich vonden Arabern oder Saracenen geschwachet wurde. Dahin-gegen giengen alleCommercien zu diesem Volke über, vor-nehmlich nachdem sieAegypten erobert hatten. Sie räum-ten in Aegypten die Canäle und in der Levante die Häfenwieder aus; und Aleyandria wurde abermals der größteHandelsplatz in der Welt. Die Handlung der Sarace-nen erstreckte sich in ganz Africa, Persicn, Indien undChina so wohl zu Lande als auf den Meeren. Endlichschwächte die Theilung der Califate dieses blühende Reichund zugleich auch desselben Handlung, bis die Weichlich-keit und nachläßige Regierung der Califen endlich beydeReiche zu ihrem gänzlichen Untergänge beförderte.
*) Nicht die Theilung, wie viele Geschichtschreiber glauben,verursachte den Verfall des Reichs: denn bende Reicheblieben auch nach der Tbcilmig so stark, als nach der Zeitdie mächtigsten Reiche nicht gewesen sind. Man mußaber die wahre Ursache des Verfalles von beyden Reichenin der unversicherten Besitzung des Thrones und der Re-
gierungs-