auf den ſittl. Zuſtand der Unterthanen. 129
zen, ein wachſames Auge haben; ſondern auch ſol-che Maaßregeln ergreifen, woburch die Sitten derUnterthanen verbeſſert, und ihnen eine Neigung zurTugend und nuͤtzlichen Gewerben beygebracht wer-de*). Dieſes kann nun nicht wirkſamer, als durchdie Verbeſſerung der Kinderzucht geſchehen, wovonaber allhier zu handeln zuweitlaͤuftig ſeyn wuͤrde.
*) Ein Monarch hat tauſenderley Mittel in Haͤnden,die Neigungen ſeiner Unterthanen zu bilden, undnach ſeinen Abſichten zu lenken. Das Land iſt oh-nedem geneigt, auf ſein Beyſpiel zu ſehen; undein Lobſpruch von ihm, eine zu rechter Zeit undunter gehoͤrigen Umſtaͤnden gereichte Belohnung,ein dieſem oder jenem fleißigen oder tugendhafti-gen zugeſtandener Vorzug, und dergleichen Mit-tel, feuren oͤfters tauſend andere an, ſich ebenſolchen Tugenden und Bemuͤhungen zu widmen.Wenn es einem weiſen Regenten hierinnen gelin-gen ſoll; ſo muß er die Beſchaffenheit ſeines Vol-kes gruͤndlich zu beurtheilen im Stande ſeyn, unddie Mittel und Maaßregeln darnach zu erwaͤhlenwiſſen. Kaiſer Peter der erſte in Rußland giebtuns hiervon ein ſehr vortreffliches Beyſpiel andie Hand. Da er die Dummheit und den Stolzder damahligen Rußiſchen Familien kannte, diegleich ohne Erfahrung, Fleiß und Geſchicklichkeitvornehme Bedienungen verlangten: ſo ließ er ſichſelbſt mit dem Zimmerbeil in der Hand auf denSchiffsbauwerften in ernſtlicher Arbeit finden; erdiente ſowohl unter der Landmacht als zur Seevon unten auf; und ließ ſich ſelbſt durch den Se-nat das Avancement zum Viceadmiral abſchlagen,bis er eime tapfere That verrichtet haͤtte, die der-gleichen Befoͤrderung verdienete. Hierdurch machteer ſeinen Ruſſen auf eine ſinnliche Art begreiflich,daß nur Erfahrung, Fleiß, Geſchicklichkeit undVerdienſt der weitern Befoͤrderung wuͤrdig waͤren,und daß man bloß auf dieſen Wegen von ihm Er-hebung zu gewarten haͤtte.
Staatsrv. I. Th. 3§. 98.