an dem Beſten des Staats zuarbeiten. 409
ten zu beurtheilen wiſſen, keinesweges aber der Nei-gung ihrer Kinder blindlings folgen; am allerwe-nigſten aber muͤſſen ſie dieſen Neigungen etwas nach-ſehen, wenn die Wiſſenſchoft, Geſchicklichkeit undHandthierung, worauf ſie ſich legen wollen, der Re-publik wenig oder gar keinen Nutzen verſchaffet. DiePflicht, daß wir uns dem Staate und der menſchli-chen Geſellſchaft nuͤtzlich zu machen ſuchen ſollen, iſtſo weſentlich und unveraͤnderlich, daß ſie ſelbſt uͤberunſere eigene Neigungen allemal die Oberhand behal-ten muß. Denn gleichwie wir mit einem Regentenſchlecht zufrieden ſeyn wuͤrden, wenn er, ſtatt derBeſorgung der Regierungsangelegenheiten, ſich be-muͤhen wollte, ein vollkommener Dichter, Tonkuͤnſt-ler, Drechsler oder Chymicus zu werden, weil erdaran Geſchmack faͤnde: ſo kann die oberſte Gewaltvon uns gleichſam mit Recht verlangen, daß wir inErwerbung unſerer Geſchicklichkeiten nicht lediglichunſere Neigung, ſondern hauptſaͤchlich das Beſte desgemeinen Weſens vor Augen haben ſollen.
§. 391.
Da ich mir uͤberhaupt vorgenommen habe, in die⸗ Hierinnen feh-ſem Buche freymuͤthig zu ſchreiben: ſo darf ich auch“kein Bedenken tragen, von den Gelehrten meine Ge-danken aufrichtig zu eroͤffnen. Meines Erachtensbeobachten ſie dieſe Pflicht gegen die Republik amallerwenigſten. Ich will gar nicht von den hand-werksmaͤßigen Gelehrten reden. Dieſe denken ſel-ten daran, daß ſie Pflichten gegen die Republik aufſich haben. Der Advocat, der ſich freuet, wennſich ein Proceß entſpinnet, und der ſchon im vorausden Ueberſchlag macht, wie lange er die Sache hin-aus ſpielen und aufhalten kann; der Arzt, der beyeinem graßirenden Fleckfteber ſich zwar durch den ver-hoffenden Gewinnſt, nicht aber durch das Elend
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