410 Von der Pflicht der Unterthanen,
derer dadurch gemachten Witwen und Waiſen ruͤh-ren laͤßt; der Geiſtliche, der mehr das Beichtgeldals die Suͤnden, die er vergeben will, nachrechnet; alledieſe laſſen ſich wenig einfallen, daß ſie gegen dasgemeine Weſen Pflichten auf ſich haben. Ich willhier nur von ſolchen Gelehrten reden, die in demReiche der Wiſſenſchaften eine betraͤchtliche Rolleſpielen; und wie viele ſind nicht unter denenſelben,die bloß in ihren gelehrten Bemuͤhungen ihren Nei-gungen folgen, ohne zu unterſuchen, ob auch das⸗-jenige, womit ſie ſich oͤfters ihre ganze Lebenszeit be-ſchaͤfftigen, dem gemeinen Weſen den geringſten Nu-tzen zuwege bringt? Wenn die meiſten unter ihnenRechenſchaft geben ſollten, was ſie in ihren unge-heuren Werken der Republik nuͤtzliches erfunden,oder gelehret haͤtten: ſo wuͤrden ſie wenig anzugebenwiſſen, das in einer von Vorurtheilen entfernten Un-terſuchung vor den Staat nuͤtzlich erachtet werdenkoͤnnte. Denn ich kann mich nicht bereden, daß dieUnterſuchungen in der Mythologie, in den Kleidun-gen, Taͤnzen und Gewohnheiten der alten Griechenund Roͤmer, in der Genealogie der alten aſſyriſchenund perſiſchen Monarchen, vornehmlich aber die un-geheuren Commentarii uͤber alte Schriftſteller, demgemeinen Weſen weder unmittelbarer noch mittelba-rer Weiſe den geringſten Nutzen zuwege bringen.
§ 392.Man darf nicht glauben, daß ich die Bemuͤhun-
ſchen Wiſſen⸗gen der Gelehrten verwerfe, die der Vernunft, der
menſchlichen Erkenntniß und dem guten Geſchmacke
nuͤtziice Dinge zur Aufnahme und Erweiterung gereichen, ob ſie¹
gleich dem Staate unmittelbarer Weiſe keinen Vor-theil ſtiften. Ich erkenne allzuwohl, was die Wiſ-ſenſchaften und freyen Kuͤnſte mittelbarer Weiſe indas Aufnehmen des Staats vor einen wichtigen Ein-