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1 (1758) Die Lehre von Erhaltung und Vermehrung des Vermögens des Staats, und mithin die Staatskunst, die Policey- und Commercien-Wissenschaft nebst der Haushaltungskunst / Johann Heinrich Gottlob von Justi
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430
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430 Mittelbare Pflichten

theil von demſelben abzuwenden und deſſen Wohlfahrt

zu beſoͤrdern, daraus unſer eigener Wohlſtand groſ-

ſentheils abfließt. Es iſt alſo an der Wirklichkeit

dieſer Pflichten und an dem Intereſſe, das die Re-

publik bey der Wirthſchaft der Privatperſonen hat,keinesweges zu zweifelnll

*) Vielleicht duͤrfté es einigen ſcheinen, als wenn ich hier

einen Widerſpruch begienge, indem ich oben§. 320.

behauptet habe, daß die Republik kein Intereſſe bey

der Verſchwendung der Privatperſonen habe, und

daß es ihr ganz gleichguͤltig ſeyn koͤnne, in welchen

Haͤnden ſich der Reichthum des Landes befindet.

Allein, wenn man die Sache genaäu uͤberleget: ſo

wird man mich von dieſem Widerſpruche ſchon frey

geben. Die Verſchwendung iſt mit einer ſchlechten

Nutzung und Gebrauche der Guͤter nicht einerley

Die erſte koͤmmt vornehmlich däaͤrauf an, daß je-

mand mehr durchbringt und verzehret, als er nach

der Beſchaffenheit ſeines Vermoͤgens und ſeines

Standes thun ſollte; und ein Verſchwender kann dem

oͤhngeachtet dabey ſeine Guͤter wohl verwalten und

nutzen. Er kann ein kluger Kaufmann ſeyn; er

kann ſeine Manufacturen und Gewerbe wohl trei-

ben; er kann alle Regeln der Landwirthſchaft vor-

trefflich verſtehen und ausuͤben, obgleich ſein Auf-

wand in ſeinem Hausweſen nicht mit den guten

Wirthſchaftsregeln uͤbereinſtimmet. Hierbey hat

älſo die Republik kein Intereſſe; denn die Guͤter

werden genutzet, wie es ihr Intereſſe erfordert; und

die Verſchwendungen befoͤrdern noch andere Gewer-

be, durch den groͤßern Abgang, den ſie verurſachen.

Allein, eine gaͤnz andere Beſchaffenheit hat es, wenn

jemand die guten Wirthſchaͤftsregeln nicht beobach-

tet, und von ſeinen Guͤtern nicht allen moͤglichen

Nutzen zieht. Indem jemand ſeine Gewerbe thoͤ-

richt und verkehrt treibt, daß er ſchlechte Waa-

ten gewinnt, oder die Waaren verderben laͤßt;

indem ein ſchlechter Landwirth ſeine Aecker beraſen

und oͤde liegen laͤßt, oder ſie ſo ſchlecht beſtellet,

daß er wenig Getraide erndtet: ſo faͤllt der Schade

zugleich auf den Staat, der mehr und beſſere Waa-

ten und Guͤter in dem Zuſammenhange ſeiner Nah-

6 rungs-