454 Von der Vermehrung
bereits beſitzenden Guͤter, in einen genauen undrichtigen Anſchlag gebracht werden; wobey aber dieſchmeichleriſche Einbildung unſerer Eigenliebe ſo vielals moͤglich zu entfernen iſt*); und aus dieſem An-ſchlage muß der Endzweck und das Vorhaben feſt ge-ſetzet werden, welches zu erreichen wir uns gegruͤndeteHoffnung machen koͤnnen. Alsdenn muͤſſen dieMittel und Maaßregeln wohl uͤberleget werden, dieuns zu dieſem Endzweck und Vorhaben zu fuͤhrenim Stande ſind; und eben ſo reiflich muͤſſen dieSchwierigkeiten und Hinderniſſe, nebſt denen dar-wider dienenden Gegenmitteln erwogen werden, dieſich unſern Abſichten entgegen ſetzen koͤnnen. Wennnun ſolchergeſtalt der Plan unſerer bevorſtehendenLebensart und Handthierung ſeſtgeſetzet iſt; ſo muͤſſenalle unſere Handlungen und Maaßregeln darnacheingerichtet werden. Wir muͤſſen unſer vorgeſteck-tes Ziel und den einmal bezeichneten Weg beſtaͤndigvor Augen haben, und davon weder zur Rechten nochzur Linken jemals ausweichen. Die im Wege lie-genden Hinderniſſe koͤnnen uns zwar bewegen, ſtillezu ſtehen, um unſere Bemuͤhungen anzuwenden,dieſelben auf die Seite zu ſchaffen; aber wir ſollennicht eher gaͤnzlich zuruͤck gehen, bis wir alle unſereKraͤfte und Gegenmittel vergeblich verſuchet haben.Selten werden die Schwierigkeiten zu groß ſeyn,daß ſie nicht zu uͤberwinden waͤren; und ſelten wirdes uns fehlen, daß wir nicht unſern Endzweck errei-chen ſollten. Die meiſten Menſchen begehen denFehler, daß ſie ſich gar keinen Entwurf und Planihrer bevorſtehenden Lebensart und Handthierungmachen, ſondern ihre Handlungen geſchehen gemei-niglich auf Gerathewohl. Noch mehrere aber,wovon ich mich ſelbſt nicht ausſchließe, fehlen dar-innen, daß ſie vor jeder Hinderniß erſchrecken undzuruͤck weichen; und wir wuͤrden gar wenig 1.8ſchen