Buch 
1 (1758) Die Lehre von Erhaltung und Vermehrung des Vermögens des Staats, und mithin die Staatskunst, die Policey- und Commercien-Wissenschaft nebst der Haushaltungskunst / Johann Heinrich Gottlob von Justi
Entstehung
Seite
474
JPEG-Download
 

7

474 Von dem vernuͤnftigen Gebrauche

ten, worzu die wenigſten Standhaftigkeit genug be-ſitzen, ſie zu uͤberwinden. Unſer Hochmuth, Ehr-geiz und Wolluſt ſchwellen durch den Beſitz des Ver-moͤgens auf. Wir wollen mehr ſeyn, als wir zeit-her geweſen ſind; wir wollen Rang, Titel und Wuͤr-den haben; wir wollen uns demſelben gemaͤß auf-fuͤhren; und zugleich bereden uns unſere Luͤſte, daßwir des Vermoͤgens nicht genießen, wenn wir unsnicht die Annehmlichkeiten des Lebens verſchaffen.Hierzu geſellen ſich eine Menge Anfaͤlle, die vonaußen auf unſer Vermoͤgen geſchehen. Es giebtMenſchen, die durch Schmeicheleyen an unſerm Ver-moͤgen Theil zu nehmen ſuchen. Andere ſtellen dem-ſelben durch Liſt und Betrug nach, oder greifen esmit Diebereyen und andern Gewaltthaͤtigkeiten an.Die Ungluͤcksfaͤlle pflegen von unſerm Lebenslaufeauch ſelten gaͤnzlich entfernet zu ſeyn; ſo daß oͤftersdieſe innerlichen und aͤußerlichen Feinde unſer Ver-moͤgen vernichtet haben, ehe wir kaum ſelbſt darangedenken. Man kann alſo gar nicht ſagen, daß eseben eine leichte Sache ſey, ein beſitzendes oder er-worbenes Vermoͤgen zu erhalten.

*) Die Akademie zu Peauin Frankreich hatte vor ohnge-faͤhr zwanzig Jahren die Frage aufgegeben, ob esſchwerer ſey Vermoͤgen zu erwerben, oder das Ver-möͤgen zu erhalten? und der Preiß wurde in der Thateiner ſolchen Ausarbeitung zuerkannt, welche be-hauptet hatte, daß die Erhaltung des Vermoͤgensſchwerer ſey.

§. 459.F Leneeee Unterdeſſen iſt es die Pflicht eines vernuͤnftigenchz2nr hftere Mannes, daß er alle moͤgliche Vorſicht, Maaßre-Uaterſuchungen geln und Bemuͤhungen anwendet, um ſein Vermoͤ-

deſſelben, welch 2v gen zu erhalten. Darzu gehoͤren nun neben einemGeſchäffte an⸗- richtigen Etat ſeiner Einkuͤnfte und Ausgaben zufoͤr-

kommen. 2 erſt

ſchaften verurſachen uns eine Menge Schwierigkei-

I——