des Vermoͤgens. 423
die groͤßte Laſt ſind, die man ſich aufbuͤrden kann*)und wodurch uns zugleich die Mittel unſern Zuſtandzu verbeſſern, und von neuem Vermoͤgen zu erwerben,uͤberaus ſchwer gemacht werden; zu geſchweigen,daß auch dieſe Quelle unſers Lebensunterhalts baldvertrocknet, da wir denn von jedermann verlaſſen,in der aͤußerſten Armuth und Elend verderbenmuͤſſen.
*) Ich hahe angemerket, daß verſchiedene Gelehrte einen
falſchen Begriff von den Schulden haben. Sieſagen, wer Schulden habe, ohne Guͤter und Ver-moͤgen, wovon ſie bezahlet werden koͤnnen, der habeweniger als nichts. Dieſes weniger als nichts iſtein leerer Begriff, mit dem man keinen Verſtand ver-binden kann; oder ein bloßer Schall von Worten,womit ein falſcher Witz ſpielet. Denn das nichtshat keine Grade. Der richtige Begriff aber vonSchulden iſt, daß ſolche Leute ihr Vermoͤgen in weit-laͤuftigem Verſtande(§. 419.) oder den Grund undAnfaung ihres Vermoͤgens angegriffen haben: dennwer gar keine Guͤter beſitzt, der beſitzt doch Geſchick-lichkeiten und Faͤhigkeiten, die in weitlaͤuftigem Ver-ſtande gleichfalls Vermoͤgen, und zu den Guͤternund befonderm Vermoͤgen der Grund und Anfangſind. Dieſes Vermoͤgenalſo hat er angegriffen; in-dem er nicht eher zu Guͤtern gelangen kann, bis erdie auf den Grund und Anfang ſeines Vermoͤgensoder Guͤter gemachten Schulden bezahlet hat,
§. 458.
Man kann gar nicht laͤugnen, daß die Erhaltungdes Vermoͤgens ungemein ſchwer iſt, ſo daß aucheinige in den Gedanken ſtehen, es ſey leichter, Ver-moͤgen zu erwerben, als das beſitzende Vermoͤgen zuerhalten*). In der That werden darzu ſo vielVorſichtigkeiten, Bemuͤhungen und Anſtalten erfo-dert, die den Gemuͤthsarten und Neigungen derwenigſten Menſchen gemaͤß ſind. Unſere Leiden-
Gg 5 ſchaften
Die Erhal-tung des Ver-moͤgens iſt ſehrſchwer.