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Ueber den spanischen Thronfolgekrieg.
Karls ll. Absterben erfolgte gar nicht unerwartet.Man hatte vielmehr bey der ausnehmenden Schwach-heit seiner Leibesbeschaffenhcit.Ursache sich zu verwun-dern, daß er so lange gelebet. Die meisten Europäi-schen Mächte, welche in den Krieg eingeflochten waren,der in dem i6>,8sten Jahre auö Anlaß der Landung desPrinzen von Oranien in England, und der zweyspalti-gen Kurfürstenwahl von Kölln entstanden ist, hattendiesen Todesfall und mit demselben die Erledigung derspanischen Monarchie, noch vor dem Friedensschluß zuRyßwik mit Vergnügen angenommen. Frankreich en-digte diesen Krieg von außen mit anscheinendem großenGlücke gegen alle seine Feinde. Allein ebenderselbe legteschon den Grund zum Verfall Frankreichs und beson-ders zu Verödung der Provinzen, des Feldbaues, derHandelsschaft, der Seemacht und der Finanzen. Ohneeine Erhohlung würde es dieser in ihren Eingeweidenschon sehr geschwächten Monarchie unmöglich gefallenseyn, den Krieg noch drey Jahre wider die verei-nigte Macht ihrer Feinde fortzufehen. Diese, obgleichsie den Frieden bedurften, standen schon wider Frank-reich und dessen unaufhörliche Absichten, sich auf jederSeite zu vergrößern, vereiniget in den Waffen. Dochdie Vorsehung wollte dem Elend der Völker, welche einneun Jahre mit Wuth gedaurter Krieg geplaget hatte,eine kurze Friedenssrist gewähren.
Der Ryßwikische Friede kann mit Recht nur alsein Stillstand angesehen werden, den die KriegführendenStaaten eingegangen waren, um ihre geschwächte.Macht, und die verödeten Finanzen wieder zu ersetzen,um einander seiner Zeit die verlassenen Staaten KarlsU. mit desto größrer Hitze streitig zu machen. Frank-reich opferte alle seine gemachte Eroberungen auf; esgab alle, in Kraft der Urtheilssprüche der ReunionS-kammern zu Metz und Dreyfach an sich gerissene Für-sienthümer, Herrschaften, Festungen — so wohl in demA 4 deut»