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Abhandlungen über die Geschichte des Friedensschlusses zu Utrecht zur Beendigung des spanischen Thronfolgekriegs / von Johann Konrad Fäsi
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16
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Erste Abhandlung^

die Sachen beynahe in eben diejenige Lage, in welcheKönig Wilhelm sie ohne Krieg zu versehen wünschte.

Diese vorläufige Verabredung geschahe ohne Theil-nehmung des Königö von Spanien, des Kaisers Leo-pold und des Kurfürsts von Bayern, welche doch anallen Veränderungen, die mit der spanischen Monarchievorgehen sollten, eben so sehr wesentlichen Antheil zu neh-men berechtiget waren, als Frankreich, und noch meh-rern als Großbritannien und die Staaten der vereinig-ten Niederlande. Allein die Lage und Macht Frank-reichs gegen Spanien, und die Seemacht der beydenlchtern Staaten ertheilten denselben eine vorzüglicheWichtigkeit, und niit derselben gleichsam ein Recht, allesso zu bestimmen, wodurch ein blutiger Krieg vermiedenwerden möchte.

Der Zustand Spaniens, dieser ein Jahrhundert zu-vor noch so mächtigen, so sehr gefurchtsten Monarchie,war dazumal so tief in Verfall, als man sich einen sol-chen nur immer gedenken kann. Der König war nichtnur sein ganzes Leben durch schwach an Leibes- sonderneben so sehr an Gemüthskräften. Sein schwacher Kör-per mußte die Ursache seyn, daß auch sein Geist schwach,und unbebaut blieb. Ein erwünschter Vorwand fürseine Mutter, eine Schwester des Kaiser Leopolds, ihmalle Kenntniß der Staatsangelegenheiten zu entziehen,auch zu der Zeit, da er selbst nach den Gesehen Spani-ens die Regierung führen sollte. Sie, die KöniginnMutter führte die Regentschaft wahrend der Minder-jährigkeit Karl ll. Don Johann von Oesterreich, einnatürlicher Sohn Philipps IV. und Bruder des Kö-nigs, bemächtigte sich zwar nachher gewissermaßen derhöchsten Gewalt; aber auch dieser folgte deu Grundsä-tzen der Königinn, den König von den Staatsgeschäftenzu entfernen. In der Folge wurden dieselben ihm zumäußersten Verdruß. Seine Staatsbedienten entdeckten