Ueber den spanischen Thronfolgekn'eg. 107
Er vergaß nicht, allen Unwillen über die in den Weggelegten Hindernisse auf England und insbesondre aufden Herzog von Marlborough zu wälzen.
Doch der President von Rouille' verblieb zu Bodesarave, und erhielt daselbst neue Befehle von seinemHofe. Er kam mit dem Herren van der Dusten, aufdessen Landhause nahe bey diesem Ort, einmal und zwarohne den Herren von Buys zusammen. Aber auch dieseUnterredung beförderte das Hauptgeschäfte nicht. Es istnoch unentschieden, ob bey dieser besondern Unterredungdie Absicht deö van der Dusten gewesen, die geheimenund äußersten Vollmachten des President, durch an sichgenommene Vertraulichkeit, auszuforschen? da er vondem Elend Frankreichs eine fürchterliche Schilderungmachte, auch Winke gab, daß die geheimsten Kabinetö-minister des Königs; daß der Graf von Berghes; daß er,der President selbst von Ausspähern umgeben; daß alles,was zu Versailles überlegt und beschloßen werde, be-kannt; daß selbst seine geheime Vollmacht zu Turin keinGeheimniß sey: oder ob er den von Rouille' vermögenwollte, mit persönlichen Aaerbietungcn sich gegen ihnauszulasten? — Rouille' war ungewiß, welche vonbeyden Absichten des van der Dusten durch diese ganzgeheime, von demselben angetragene Unterredung sollteerzweckt werden? Zu der letztem war er bevollmächtigetbehülflich zu seyn; da aber van der Dusten sich nicht ge-nug bloß gab, so sorgte der President, er möchte durchVoreiligkeit mehr verderben als gut machen. Van derDusten's Rath war, wenn Frankreich aufrichtig denFrieden verlange, soll es doch nicht länger anstehen, dieletzte Willcnsmeinung des Königö ohne Vorbehalt zuerösnen. Er fand aber einen Mann vor sich, der nichtgewonnen werden konnte, seine Vollmacht weder vorei-lig zu entdecken, noch solche zu überschreiten.
Alle drey Fricdensuntcrhändler kamen nochmals aufden 2iten April zu Bodengrave zusammen. Dia
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