Buch 
Abhandlungen über die Geschichte des Friedensschlusses zu Utrecht zur Beendigung des spanischen Thronfolgekriegs / von Johann Konrad Fäsi
Entstehung
Seite
209
JPEG-Download
 

Ueber die Unterhandlungen ju Gertruydenberg. 206

Mit allen Gründen der gesunden Staatöklugheit, daßNeapoliö mit Sicilien dem König Philipp, als dessengänzliche Entschädigung, angewiesen werde. Von dieserVereinbarung beyder zusammen grenzenden Staatenhange einzig die Sicherheit dieses Prinzen, die Freyheitund Unabhänglichkeitvon Italien, und die Daurhaftigkeitdes Friedens ab. Es sey auch die Vereinbarung dieserbeyden Königreiche für die Erhaltung deö Gleichgewichtsin Europa unumgänglich nothwendig.

Allein die Abgeordneten blieben unbeweglich, weil sol-ches ihre Vollmachten also erheischten. Anstatt der Ge-gengründe bezogen sie sich einzig auf die Freundschaft unddas enge Bündniß, so zwischen der Republik und demKaiser walte, daß die Republik in Kraft desselben sich zunichts andern: als zu Sicilien verbindlich machen könne,und dies nur mit dem Anhange, daß der König sich ver-pflichte, seinem Enkel diese Theilung mit Gewalt zu be-lieben, wenn bey demselben die Vorstellungen unverfäng-lich seyn würden. —

Die alte ehedem fast durchgehende Gewohnheit derdeutschen Staaten und Völker, ihre Zwistigkeiten, wel-che sie durch gleiche Sätze nicht beylegen konnten, darumdaß dieselben sich gemeiniglich partheyisch erwiesen, durcheinen Obmann, oder uneingeschränkten Mittler, eö sey inder Güte, oder rechtlich entscheiden zu lassen, war dochunstreitig ein heilsames Mittel, dem Kriege und Blut-i vergießen so wohl, als dem unnützen Streiten und denWortgefechten ein erwünschtes Ende zu machen. Selbstauch in den neuern Zeiten bey dem münsterschen Friedens-fchluß und nachher, sahen sich die mächtigsten Staatengemüßiget zu demselben Zuflucht zu nehmen. Sie hal-len sich auch darbey wohl befunden. — Wenn jemals

ein

2) Man sehe die NemoiresTH. II. S. 217.

S