ZZ2 Sechste Abhandlung.
uische Monarchie dem Hause Bourbon zu entreißen, umdieselbe dessen einzigen Bruder dem König Narl, demErben aller österreichischen Staaten, zuzuwenden. Sehrwahrscheinlich würde diese vereinigte große Macht eini-gen Staaten eben so gefährlich worden seyn, als sie un-ter dem Kaiser Karl V. es gewesen. Dennoch weilSpanien mit den österreichischen Staaten nicht zusam-menhangend war, konnte die Gefahr nicht so groß seyn,als wenn die französische und spanische Monarchien voneinem einzigen Fürst beherrschet würden. Man sah sichalso gemüßiget auf Mittel zu denken, diese Vereinigungbeyder Monarchien, soviel als Menschen möglich, aufimmer zu verhindern. Diese Mittel sollten wahrendder Friedensversammlung vorgeschlagen, angenommenund bekräftiget werden. Dieses konnte nicht andersals große Verzögerungen verursachen: denn die Köni-ginn von England bestund darauf, nicht eher Frieden zuschließen bis Europa Sicherheit hatte, daß diese Ver-einbarung zu keiner Zeit erfolgen würde.
Das Mittel, welches sie deßwegen vorschlug, wardieses: „Philipp sollte für sich selbst und für seine Nach-kommen allem Recht an Frankreich förmlich entsagen;diese Absagung sollte von den Cortes oder Ständen inSpanien bekräftiget werden. Gleicher Weise solltenalle französische Prinzen vom königlichen Geblüt, jederfür sich und seine Nachkommen, aller Ansprüche auf dieKrone Spanien sich begeben.
Man weiß, daß Entsagungen von fürstlichen Per-sonen beyderley Geschlechts auf Erbrechte, welche dieNatur und die Abstammung ertheilt, diejenige Wir-kung nicht hatten, welche daher entstehen sollte. Dergegenwärtige, noch nicht geendigke spanische Thronfolge-krieg war ein überzeugender Beweis, wie wenig die gros-sen Mächte die feyerlichsten Verzichtleistungen beobach-ten. Dennoch war kein anderes Mittel als abermalige
Ver-