Ueber die Unterhandlungen zu Utrecht. Z67
che sich noch in dem abgewichenen Jahrhundert zuge-tragen halten! Welcher Macht konnte die hauptsäch-lichste Schuld zugemessen werden, daß ein drey ganzeJahre lang gcdaurter, sich gleichsam von selbst darge-bokner günstiger Zeitpunkt, so ungenutzt vorbeygelassenworden? Welch eine mächtige Aenderung in der Lageder Angelegenheiten EuropenS veranlaßte nicht dasAbsterben des Kaisers Joseph ohne männliche Nach-kommen?
Es war ein unglücklicher Umstand für die Repu-blik, daß, da dieselbe um eben diese Zeit, noch vor demUeberfall bey Denain, geneigt schien den Maßregelnder Königinn beyzutreten und in einen allgemeinen Waf-fenstillstand zu willigen, sie sich abermals von diesemVorsatz durch den kaiserlichen Gesandten von Sinzen-dorf abwendig machen ließ. Dieser Gesandte trugdas allermeiste bey, um Eifersucht und Mißvergnügenunter den Staaten gegen England zu stiften und z» un-> rerhalten. Allernächst hätte es derselbe dahin gebracht,daß die Staaten die Freundschaft und das Bündnißmit England gegen das des Kaisers vertauscht hätten; -! obgleich sie öftere Erfahrung hakten, wie so schwach dasBündniß eines entlegenen und immer an Geld Mangelleidenden Staats, in Vergleichung mit dem eines benach-barten und an Volk, Geld und Schiffen noch mächci.gern seyn müsse? Die unbeschränkten Versprechungendieses Gesandten, die doch zur Erfüllung so wenigeWahrscheinlichkeit hatten, rissen sie unvermerkt auf denPunkt, der sie in die alleräußerste Verlegenheit versitzenMußte. — Dazu kam, daß man von den Talentendes Prinz Euczcn in wenigen Tagen die Eroberung vonEandrecy unfehlbar erwartete. Sinzendorf wußtesie so zu verblenden, daß sie den Abzug von achtzehntau-send Engländern für keine Verminderung des Gewichtsin der Wagschale eines solchen Bundögenoffen wie derKaiser, und eines solchen Feldherren wie der Prinz, an-sahen.