Buch 
2 (1758) Die Lehre von dem vernünftigen Gebrauche des Vermögens des Staats, und mithin die eigentliche Cameral- oder Finanz-Wissenschaft in sich begreift / Johann Heinrich Gottlob von Justi
Entstehung
Seite
506
JPEG-Download
 

zs6 Von den Grundsätzen u. Maaßregeln

stand angesehen wird, der sied offenbar betrügen läßt,der Schuldigkeit gegen das g meine Wesen zu ge.schweigen. Nichts ist so imgegründet, als daß eineEhre in dergleichen reichlichen Bezahlung besteht.Diese Großmueh ist ohne zureichenden Grund undsehr übel angebracht. Wenn der Hof jemandenWohlthaten erweisen will; so muß es wissentlich, mitzureichendem Gi unde, und unter dem Namen einerWohlthat geschehen. Man hat deshalb gar nichtzu befürchten, daß sich keine Lieferanten finden wer.den, wenn man so genau als andere Leute handelt.Man darf nur richtig und baar bezahlen; so werdensich in Ansehung der Menge der Waaren, die ein Hofbenörhiget ist, genug Leute anbiethen, die keinen unbil-ligen Vortheil verlangen *).

Jedoch die Lieferanten ziehen selten einen unbilligenVortheil allein in ihre» Beutel. Diejenigen Bedien-ten, die mit dergleichen Geschafften zu thun haben,und die Contracre schließen, wollen gemeiniglichdurch ansehnliche Geschenke und andere diebischeKunstgriffe, die sie ansfündig gemacher haben, umsich vor der Untersuchung und Bestrafung in Sicher-heit zu stellen, ihren Tribut davon haben. So gemeindiese Levorthejlungen sind, die unter dem schonenNamen der Accidenrien sich fast allenthalben ereig-nen, so sind sie doch wahrhaftig nichts anders alsDicbsiahle, indem sie von Leuten unternommen wer-den, deren Pflicht eS ist, ihres Herrn Vortheil zu be-fördern, nicht aber sich mir seinem Schaden zu berei-chern. Allein, diese traurige Gestalt unserer und dervorhergehende» Zeiten wird so bald nicht aufboren,so lange wir denjenigen ehren der Vermögen besitzt,obgleich jedermann an den Fingern abzählen kann,daß es mir unredlichen Kunstgriffen erworben sevnmuß. Lasset uns nur solche Leute von ganzem Her-zen verachten. wie es ei» ehrliches Gemüth in sichselbst thut, so werden wir sehr viel rechtschaffeneLeute haben.