Band 
Erster Theil.
Seite
129
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2 Abschnit» Voll dem Sündenfal der Menschen. 129

§. rzl. Iahnd.w. s.

Es wird aber der Sündenfal der Menschen von Most ganz kurz folgendergestalt"

«zälet«): Daß die Schlange, so listiger gewesen als alle Thiere des Feldes, die Eva ge- Mosaischefragt, ob es auch wahr sey, daß GOtt ihr und ihrem Manne nicht erlaubet von allen Früch- Uämng desten des Gartens zu essen? Darauf sie geantwortet: GOtt Habe ihnen erlaubet von allen zuessen, die einige Frucht des Baums mitten im Garten ausgenommen, welche er befolen"icht zu kosten, ja nicht einmal anzurüren, wiedrigenfals sie sterben würden. Worauf dieSchlange erwiedert: sie würden nicht sterben, sondern GOtt habe die Kraft dieses Baumserkant, daß so bald sie davon gegessen, ihre Augen aufgechan werden und sie GOtt gleichseyn würden, Gutes und Böses zu erkennen. Da denn Eva, in Erwegung daß die Fruchtvon reizendem Ansehen und ihrer Wirkung wegen verlangenswürdig sey, von derselben ge-nommen und gegessen, auch ihrem Manne davon gegeben, der gleichfals gegessen. Unmit-telbar drauf seyn beider Augen auch wirklich geöfnet worden, daß sie gesehen, sie seyn nackend;dfher sie Feigenblätter zusammen geheftet, und sich Schürzen gemacht. Nach diesem habenAdain und Eva, als sie die Stimme GOttes gehöret, so im Garten gewandelt, da der Tagkühle worden, sich unter den Bäumen versteckt. Da GOtt aber Adam gerufen, habe der-selbe sich entschuldiget zu erscheinen, weil er nackend sey. Worauf ihn GOtt gesi-aget: werihm denn gesagt, daß er nackend sey; und ob er seinen Befei übertreten durch Bemessungder verbotenen Frucht? Adam aber seine Schuld nicht vermeret durch Verleugnung, son-,dern bekaut, daß das Weib ihm diese Frucht gereichet, und er dieselbe gegessen habe.

Welche denn auch, als sie gleichfals befragt worden, erkant was sie gethan, aber versichert,daß die Schlange sie verfüret und betrogen habe. Darauf GOtt zum Urtheil geschritten,und zuerst die Schlange verflucht, und sie verdamt, auf dem Bauche zu kriechen und Staubzu essen; auch hinzu gesetzt, daß er Feindschaft setzen wolle zwischen ihr und dem Weibe undihren verschiedenen Nachkommen, und daß der Weibessame der Schlange den Kopf zertre-ten solle, die jenes Fersen verletzen werde. Das Weib sey mit Schmerzen der Geburt ge-sttafet, und ibrem Man unterworfen worden. Was aber den Man anlanget, so habe^Ott die Erde um seinetwillen verflucht, und verordnet, daß sie Dornen und Disteln tra-gen solle, und daß er im Schweis seines Angesichtes sein Brot essen solle, bis daß er wiederzum Staube zurückgekeret, von welchem er genommen worden. Endlich habe GOtt, nach-dem er sie beide mit Fellen bekleidet, dieselben aus dem Garten verwiesen, damit sie nichtsvon dem Baum des Lebens nemen und essen, und immerdar leben möchten; auch allenVersuchen der Rückker in ihre vorige Wönung zuvorzukommen, Cherubinen gegen Mor-gen des Gartens gestellet, und ein feuriges Schwert, so sich auf alle Seiten gewendet, denWeg zum Baum des Lebens zu bewarem

§. 152.

Da diese sehr kurzgefaste Erzälung Mosis dem ersten Ansehen nach mit einigen Un- Schwteri--tvarscheinlichkeiten verwickelt ist: so haben verschiedene gelehrte und gotselige Männer sich be-AA» dieserwegen lassen zu glauben, daß man dieselben überhaupt allegorisch erklären müsse, und nicht ''

Uach dem buchstäblichen Wortverstande. Wobey sie zur Entschuldigung anfüren, daß dieEen, und sonderlich die morgenlandischen Völker, zwey verschiedene Wege gehabt, ihre Got-' tesgelehrssamkeit und Weltweisheit vorzukragen, einen gemeinen, und einen geheimen oderverborgenen; welcher zweifelhaften Schreibart die heilige Schrift sich öfters bediene, und sich

A w. H. i Theil. R manch-

1 Mos.z, 1. sqq.