Band 
Erster Theil.
Seite
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izo I Hauptstück. Die algememe Welthistorie bis auf die Sündflut.

v manchmal zur Fassung des gemeinen Volks Herablasse, manchmal aber nach der wirklichen,

' ^ obgleich versteckten Beschaffenheit der Sachen selbst richte. Daher sey es der sicherste Weg,

den häufigen Schwierigkeiten zu begegnen, die bey dem Wortverstande dieser kläglichen Be-gebenheit vorkommen, dieselbe als ein Sinbild oder Gleichnis anzusehen, worin die eigent-lichen Umstände derselben eingekleidet und versteckt worden, als ein Geheimnis, so nicht be- 'tzuem sey deutlicher vorgetragen zu werden.

Der erste Einwurf, den man gegen den buchstäblichen Verstand dieser Geschieht ma-chet, betrift die Schlange, und insonderheit die Unwarscheinlichkeit des ihr beigelegten Ver-mögens zu reden und vernünftig zu sprechen. Denn, daß man dabey annimk, es habe ei»böser Geist oder der Teufel sich der Gliedmassen dieses Thieres bedienet, ist in Mofts Wor-ten nicht gegründet, als welcher die Verfürung lediglich der Arglistigkeit der Schlange zu-schreibt. UeberdiS würde die blosse Sprache eines solchen Thiers, wenn Ev« gewust, daß ses sprachlos sey, dieselbe notwendig dergestalt haben erschrecken müssen, daß sie demselben !schwerlich eine Rede würde geständig gewesen seyn, oder sich in ein Gespräch eingelassen haben.Solte aber die Schlange anfänglich das Vermögen zu reden gehabt, und dasselbe nur zurStrafe ihres Verbrechens durch Verfürung des Weibes verloren haben: so würde Mosessolches gewis nicht mit Stilschweigen Übergängen, und nur einer so geringen Strafe gedachtHaben, daß sie auf ihrem Bauche kriechen und Staub fressen solle. Welche letztere Worteebenfals so gar leicht nicht zu erklären sind, es sey denn, daß man vorgebe, die Schlange seyvorher aufgerichtet oder auf vier Füssen einher gegangen. Denn wenn sie von Anbegin aufder Erden gekrochen: so würde es lächerlich herauskommen, ihr eine natürliche Notwendig-keit als eine Strafe eines Verbrechens zuzuerkennen.

Was ferner die in dieser Beschicht vorkommenden Bäume betrift, so scheint die Be-schaffenheit aller beiden sehr außerordentlich gewesen zu seyn. Vom Baum des Lebenswird gemeldet, daß er die Kraft gehabt, das Leben wenigstens gar ansenlich, wo nicht aufimmerdar zu verlängern. Solte aber das lange Leben oder die Unsterblichkeit der Menschenallein auf einem einigen Baum beruhet haben: wie würde es gestanden haben, wenn Adamnicht gesündiget hätte? Wie hätte wol seine Nachkommenschaft bey ihrer Zerstreuung überden ganzen Erdboden sich herbey finden und Früchte von demselben samlen können? Oderwie würde ein einiger Baum vor das ganze menschliche Geschlecht zugereicht haben? Nochschwerer aber ist die Natur des Baums der Erkenmis zu erklären; indem es scheinet,daß derselbe unsern Eltern eine neue Empfindung der Scham und Sitsamkeit eingeflößet,der sie vor dem Fal ganz unkundig gewesen. Indessen wird eine höchst verschiedene Kraftdesselben Baums angezeigt, daß ein Mensch durch essen von demselben wie ein Gott werde,Gutes und Böses zu erkennen.

Man hat endlich noch einige andere Einwendungen gegen diese Erzalung gewachst;als, die Unerheblichkeit des Verbrechens, um dessen willen eine so erschreckliche Strafe aufsmenschliche Geschlecht gelegt worden; weswegen gar einige vermeinet haben, Mofls Ab-sicht bey dieser Erzalung sey gewesen, die Schärfe seiner eigenen Gesetze zu rechtfertigen. Fer-ner, die Unwarscheinlichkeit des Zusammennähens der Feigenblätter von Adam und Eva,ohne Faden und Nadel; auch der Verfertigung ihrer Kleider von Fellen, und der dazunöti-gen Schlachtung und Abdeckung der Thiere durch unmittelbare Wirkung, oder, wie anstän-diger seyn würde, durch einen Engel: ja endlich, die unnötige Vorsichtigkeit, zur Bewachung