2 MHm't. Von dem Sündenfal der Menschen. iZZ
§ Iahed.w.k.
v.L.G ^o;-
Es ist nicht unwarscheinlich «), daß der VerfÜrer vor der eigentlichen Unterredungmit der Eva sich vor einen der himlischen Geister ausgegeben, der seine Freude zu vezeu-derselben mitgen komme, über der Glückseligkeit, so ihnen GOtt im Paradiese ertheilet, und welche so Evm-gros sey, daß er nicht leicht glauben könne, daß derselbe ihnen den Genus irgend einigerFrucht des Gartens solte versaget haben: daher er verlanget, aus ihrem eigenen Munde vonder Warheit dessen unterrichtet zu werden, was er gehöret zu haben vorgegeben. Da «hmnun das Weib erzalet, was es mit dem ganzen Verbot GOttes vor eine Bewandnis habe;
hat er ihr erst beigebracht, daß sie die Meinung davon nicht verstehe, und daß der Todnimmermehr die Strafe eines so geringen Versehens, seyn könne. Worauf er denn, ihremEhrgeiz zu schmeicheln, sie mit einer falschen Versicherung hintergangen, daß wenn sie vondieser Frucht essen würden, von welcher er vorgegeben, daß sie die unausbleibliche Wirkunghabe, den Verstand zu erleuchten und alle übrige Seelenkräfte zu erhöhen; so würde sie undihr Man augenblicklich wie Engel, ja Götter werden, und eine unbegreiflich grosse Glückse-ligkeit erlangen, ohne von jemand als ihnen selbst abzuhängen (H6). Das scheinet der Ver-stand der Worte gewesen zu seyn, wodurch die Schlange bey der Evcn Gehör gefunden»
Welche, da sie durch die Schönheit der Frucht gereizt und durch Vorwitz und Eitelkeit gerne-ben worden, der Versuchung nicht widerstehen können: nachdem sie aber davon gegessen,so entfernt gewesen, ihren Zustand gewar zu werden, daß, weil sie sich schon im Besitz der ein-gebildeten Glückseligkeit, die ihr versprochen worden, zu seyn geglaubet, sie ihren Mann zu
lllrbvpLoinmüntary.
^i6. B.) Die Unterredung des Verfärers wirdnoch begreiflicher, wenn bey derselben voraus gesetzt^>rd, daß xx sich mit Fleis nicht an die beiden Stam-Utern des menschlichen Geschlechts, sondern an einedmzele Person, und zwar nicht an Adam, sondernT^ven gemacht: weil dieselbe theils später erschaffenFvrden als Adam, folglich die Stufen der Fertig-et >M Gebrauch ihrer Fähigkeiten nicht gehabt, die7«dain schon erlangt, der vor ihrer Schöpfung dieAlle Uebung gehabt, i Mofa, 19-24; theils dasverbot der Frucht dieses Baums nicht unmittelbarvon GOtt vernommen, sondern durch BerichtAdams erfaren. Da denn die ganze Rede argiisti-N Weift so eingerichtet worden, wie es der Ber-ber den Umständen sowol der Even, als der vonM gemisbrauchcen Schlange, auch dem Vorhabenj?ve» zur Sünde zu verleiten am gemässesten ge-ichienen. In dem ersten Absah der Unterredung^*Nosz,i stelt sich der Verfürer unwissend, undAlangr über einer Sache, die ihn befremde, belehretseyn; um theils mit Even in ein Gespräch zu kom-^n, theils dieselbe zuverläßig und sicher z» machen,M habe sie es mit einem Geschöpf von geringerersbflcht als die ihrige, undvonlchrbegierigerArtzu^vn. ss^ch weicher Vorbereitung erst im andernAbsah der Rede der eigentliche Angrif folget v. 4. z,!° "us zwey Stücken besteht. Zu dem ersten v. 4„chMr er das besorgte Strafübel, um dieses Hinder-° der Bewilligung der vorgeschlagenen Handlung
aus dem Wege zu räumen. Dabey GOttes garnicht gedacht, auch derselbe mit keinem Wort derUnwarheit beschuldiget wird: indem es der Verfü-rer »»erörtert läst, ob bis irrige Vorurkheil, soEvabisher gehabt, vom Avani ihr aufgebunden sey:oder aus einem Misverstand der eigentlichen RedeGOttes, die sie nicht selbst gehört, herrüre ; oderGOtt zuzuschreiben sey. Zn den: zweiten Stückv.; braucht er eine reizende Vorstellung vieler ge-häuften Scheingüter, die durch das vorgeschlageneMittel der Geniessung dieser Frucht unausbleiblichzu erhalten seyn; wobey er sich, zur Versicherung sol-cher Unausbleiblichkeit, auf GOtt selbst beruft, dessenWissenschaft davon zurBetheurung gebraucht, seineVersicherung zu bestätigen. Welches alles die Ab-sicht gehabt, Even,zu überreden, da diese Fruchtbey der Schlange nicht nur keine nachtheilige Wir-kung gehabt, sondern den Zustand ihrer Vorstel-lungskraft und innern Fähigkeiten dergestalt erhö-het, sie in Absicht der wichtigsten Untecscheidungsstä-cke, der Vernunft und Rede, den Menschen gleichzu machen; so sey bey ihr gleiche Verbesserung ihresgesamten Zustandes durch den Genus derselben zuerwarten. Wodurch ihr Gemüt von der Erwegungdes gütlichen Verbots abgezogen und zum Unglau-ben dagegen gebracht worden, durch herschenden undbewilligten Zweifel, entweder an der richtigen Wirk-lichkeit, oder Rechtmäßigst und Verbindlichkeit des-selben.