2 Abschnit. Von dem Sündenfal der Mensthem IZ7
nötig gewesen die Menschen unsterblich zu machen, derer Leiber es sonst nicht gewesen; wozunichts kräftigers erdacht werden kan, als die Frucht eines solchen Baums. Denn da GOttbeschlossen hatte, daß der Menschen Leiber nie sterben solten: so ists sehr warscheinlich, daßer ihnen von einer solchen Frucht zu essen verordnet, deren Saft von so stärkender Kraft ge-wesen, ihr Blut mit unerschöpflicher Lebhaftigkeit zu erfüllen, und sie in beständiger Jugendzu erhalten, ohne Beschwerlichkeit, Krankheit und Schwachheit, bis zur Zeit ihrer Verse-tzung in eine bessere Welt (^). Ob dieser Baum der einige seiner Art gewesen, ist ungewis.Und wenn dem auch so wäre, so ist warscheinlich, daß wenn kein Sündenfal erfolget wäre, meh-rere einzele Baume davon in andere Theile der Welt würden seyn verpflanzet worden, nach-dem die unschuldige Nachkommen der Menschen sich ausgebreitet. Nachdem die Menschenaber gesündiget, scheinet GOtt diese ganze Art ausgerottet zu haben, die dadurch unbrauch-bar worden, und mit dem Fluch und der Strafe der Menschen nicht bestehen können. DieHeiden scheinen von diesem Baum einige durch Ueberlieferung fortgepflanzte Nachricht ge-habt zu haben, wann sie von dem LJecrar und Ambrosia reden, so die Unsterblichkeit derGötter unterhalte; oder von dem Molp, so die grosse panacea und algemeine von denDichtern gepriesene Arzney gewesen »). Der Baum der Erkentnis des Guten und Bösenhat vermutlich seinen Namen entweder daher, daß er wirklich eine Kraft gehabt den Ver-stand der Menschen zu öfnen, und die Unterscheidung des Guten und Bösen zu befördern;oder auch daher, daß der Genus desselben durch den Erfolg gelehret, das Gute des Gehor-sams und das Uebel des Ungehorsams zu unterscheiden Andere aber vermeinen, er wer-
de so genant blos von dem Vorgeben des Teufels, daß er eine Kraft habe Erkentnis zu er-theilen ; daß er also feinen Namen von diesem unglückseligen Betrüge bekommen, ob er gleichschon in einer vorhergehenden Stelle zum voraus der Baum der Erkentnis Gutes und Bö-ses genant werde Was aber die Rede GOttes anlanget: Siehe, Adam ist wor-den
conkcr. l, cit. <te ksreZ. yrrt. I. c.Iy,L<e/rar'-: vol. k»
(M) Dieses ist die algemeine Meinung der besten«lken Schriftsteller, beides unter Juden und Chri-stin, daß jch Fal unsere Eltern im Gehorsam ge-geben wären, dieselbe nach einer solchen Zeit derdnifung, als die götliche Weisheit gut gefunden,von der Erde in den Himmel würden seyn versehetWorden, und ihre Nachkommen gleichfals keiner Artv°>r Sorge oder Elend würden seyn unterworfen ge-r^sen, sondern eine beständige Glückseligkeit genos-haben, auch nach ihrem vollendeten Lauf und inverschiedenen Folgen in das himlische Paradies seynAufgenommen worden (i;d.
(iiy.B.) Die dritte alhier angefürte Meinung,vaß dieser Baum nur von dem Vorgeben des Tru-ms genant worden, folglich die Meinung desMlichen Verbots auch nur gewesen, den Menschen°>nen jeden Baum zu untersagen, wovon Satanvorgehen würde, daß er sie klug und GOtt gleichsuchen könne: hat Hr. M Dan. Richter jn einerbesondern Schrift üe srbore cognttionis hont ctzu behaupten gesucht. In des Hr„. M.*vilh. Christ.Just. Lhrysänders äuft äe xrlmvA. w. H. i Lheil.
kominum peccato wird dieser Baum vor einerleymit dein Baum des Lebens gehalten, welche beideNamen eines und eben desselben Baums, nach demFal diesem Baum erst ertheilet worden, da er vor-her nur schlechthin der Baum mitten im Gartengeheiffen, folglich i Mos 2, 9 und 17 nur vorläu-fig so genant worden; auch das Verbindunqswortnnv in der ersten Stelle erklärungsweise so viel seyals, nemlick. Beide Deutungen werden schwerlichBeifal finden. Wird der Baum des Leben« alsein gütliches Gnadenmittel in dem ursprüngliche»Zustande der Menschen angesehen: so kan dieser an-dere Baum ebenfals davor gehalten werden, dessenGenus GOtt zu seiner Zeit, nach hinlänglicher Prü-fung des Menschen und vorläufiger Vorbereitungzur Erlangung höherer Volkommenheiten, würde er-laubt haben, durch die damit verknüpfte übernatür-liche Kraft gleiche heilsame Veränderungen in derVorstellungskraft des Menschen zu verursachen, alsder Baum des Lebens in der Bewegungskraft unddem natürliche» Leben desselben hervorbringen sol-len. Wodurch wenigstens die Einwürfe von derS Und:
Siehe stiNen betöre tbe pell. ä«kar»<i- P»rt. I.c.rr, sR, rom. I.prrt,
2, Y.Z79, a- Uuibus erboribus in Porto Lclcn Z