204 I Hauptstück. Die algemeine Welthistorie bis auf die Sündfiut.
v.. . .-999. W,'x haben noch die Meinungen zweier Männer zu betrachten, die in der gelehrtenBurnets vor-Welt sehr bekant sind, und deren Theorien wir bey andrer Gelegenheit schon angefüret ha-L"" ^ben; nemlich D.Burners und Hrn.whistons.
Einen volständigen Begrif von der Meinung des erstem zu erhalten, müssen wir utiserinnern, daß er sich die anfängliche Erde, der Art ihres Entstehens zu folge, äusserlich vonganz ordentlicher Gestalt und gleichförmig gewesen zu seyn, vorstellet, mit einer glatten undebnen Oberfläche, ohne Berge und ohne See, deren zugehörige Gewässer gänzlich innerhalboder unter der obern Erdrinde eingeschlossen gewesen, die ein erstaunlich grosses Gewölberund um dieselbe ausgemacht ^). Diese ungeheure Samlung von Wasser hält er vor diegrosse Tiefe oder vor den Abgrund Mosts §), und vermeinet die Durchbrechung derselbensey die Hauptursach der Sündflut gewesen. Denn er nimt an, daß nachdem die Erde eini-ge Jahrhunderte hindurch der beständigen Sonnenhitze ausgesetzt gewesen, welche der senk-rechten Stellung wegen, so die Erdachse seiner Meinung nach damals gegen den Durch-schnit derEcliptic gehabt, sehr stark seyn müssen, ohne durch die Verschiedenheit der Jahrs-zeiten gemindert zu werden, die unsre jetzige Erde in einer gewissen Gleichheit gemäßigterWärme erhält ^), mit der Zeit die äussere Rinde derselben gar sehr ausgetrocknet worden;die Hitze aber, nachdem sie diese Schale durchdrungen, und die Gewässer unter derselben er-reichet, verursachet, daß dieselben angefangen sich zu verdünnen und in Dünste aufzustei-gen, welche Verdünnung gemacht, daß sie einen weit grossem Raum erfordert, als sie vor-her nötig gehabt: weil sie sich aber durch die äussere Erde eingespert befunden, mit G- waltgegen dieses Gewölbe gedruckt, damit dasselbe ihrer Ausbreitung weichen möchte. Und wiedie wiederholte Wirkung der Sonne diesen eingeschlossenen Dünsten mehr und mebr Kraftertheilet, und dieselben immer stärker und ungestümer gemacht: so habe sie auf der andernSeite das Erdgewölbe, so ihnen widerstehen solte, mehr und mehr geschwächt, durch Aus-saugung der Feuchtigkeit, welche das Verbindungsmittel seiner Theile gewesen, und durchAusdörrung und Aufreissung desselben an verschiedenen Orten. Da es auch keinen Wintergegeben, die Theile desselben wieder zuzuscblieffen, so sey dasselbe mehr und mehr zur Auflöejung bequem worden: und als endlich GOttes bestimte Zeit gekommen, so sey das ganzeGerüste zerbrochen, der Erdbau in Stücke zerfallen, als durch ein Erdbeben, und diese gros-sen Bruchstücke und Trümmer, in welche er sich getheilet, in den Abgrund gestürzt, einige indieser, andre aber in einer andren Lage
§. 22t.
Fortsetzung. Diese Meinung scheint dem Urheber derselben nicht nur mit Mojrs Erzälung über»einstimmig zu seyn, und perriAusspruch gemäs, nach welchem die erste Erde vermöge ihrerVerfassung der Sündflut unterworfen gewesen ^); sondern auch allen Mängeln andrer Aus-legungen abzuhelfen. Der Fal dieser ungeheuren Trümmer muste eine gewaltige Bewe-gung in dem Abgrunde verursachen, und die Fluten desselben auf eine grosse Höhe treiben,welche daher die Berge, so damals erst entstanden, auf einige Zeit überschwemmen müssen-Denn nach dem ersten gewaltigen Bruch, bildet er sich ein, habe es von Zeit zu Zeit noch nach-folgende Erdfälle abgebrochener Stücke gegeben, die neue Bewegungen verursachet; bis end-lich mit der Zeit, nachdem sich alle Trümmer gesetzt und fest worden, die Gewässer sich gleich»
fals
/) Siehe oben die Einleitung §.89. sq. ^ Ub.i. c,/. 6 ) Siehe oben §-163.
vdi c. 6 , x- 95 . »Peer. z, 5 .6 7.