6. Abschnit. Von Zerstreuung der Menschen und Ausbreitung der Völker. ZZ7-
ben kan, die Zerstreuung anzufangen, und die 53 Anfürer mit gnugsamen Volk zu versehen,tven so viel neue Pflanzstädte anzulegen.
Auch mus man in Betrachtung ziehen, daß jede dieser Pflanzungen in dem Maasangewachsen, als sie sich von dem Mittelpunkt ihrer Wandrungen entfernet, bevor sie in denlegenden angelangt, wo sie sich endlich niedergelassen; denn die Erde ward nicht auf ein«Wal, sondern nach und nach angebauet; daß man also um soviel weniger Anlas findet, die
«nzal der Menschen zur Zeit der Zerstreuung müsam zu vergrößern, wie einige gethan ha.ven(^)
§. . z6s.
Was die Ordnung oder Einrichtung betrift, in welcher diese ersten BevölkerungenOrbnunqderder Erden vorgegangen : so haben einige geglaubt, daß dergleichen wenig oder gar nicht da-bey stat gefunden habe; sondern daß jede 'Pflanzstadt sich durch einen blossen Zufal an demDtt ihrer Niederlassung gesetzt-), und solcher Länder bemächtiget, auf welche sie von ohnge-lär geraten «). Doch, wenn wir mit Aufmerksamkeit den Bericht errvegen, den der heiligeGeschichtschreiber von dieser Begebenheit ertheilet: so werden wir seiner Absicht nichts weni-ger gemäs finde»', als eine übereilte und unordentliche Zerstreuung. Denn erstlich wird unsVon den Söhnen Japhets, des ältesten Zweiges von der Nachkommenschaft LToäh, gemel-det, daß durch diese die Inseln der Heiden seyn gerheilet worden in ihre Lande, je,be nach ihrer Sprache, nach ihren Häusern, in ihren Völkern *). Gleicherge-stalt schlieft Moses die Nachricht, die er uns von den Söhnen Hams, dem jüngsten Zwei-ge von des Noah Nachkommen, giebt, mit diesen Worten: Dis sind die Söhne Harnsnach ihren Häusern, nach ihren Sprachen, in ihren Landen, in ihren Völ-kern«); und die Nachricht von den Nachkommen Sems endigt er so : Dis sind die^öhne Sems nach ihren Geschlechtern, nach ihren Zungen, in ihren Landen,
"ach ihren Völkern ö). Aus welchen Stellen mit Recht gefolgert werden kan, wie derGerte Mede -) bemerkt hat, daß diese grosse Theilung der Erde, von der wir reden, gar or.bentlich sey volzogen worden, und keine verworne und unordentliche Zerstreuung gewesen, daEw jeder hingezogen wohin es ihm beliebt, und sich niedergelassen wo es ihm am besten zuGallen schien /). (5
§0 Ajsc. /^) 6eox, of kke «lä leü, vol. i. k-ltl-
Ausser den oben angesäeten Erinne-rungen (rrL. LL6) erhellet aus dieser angenomme-nen Anzal der Menschen noch deutlicher, i) wie un-möglich solche Menge derselben, sonderlich bey derMnglichen väterlichen Verfassung ihres gemeinenWesens, und dem bereits vor ;s Jahren erfolgtenAbsterben Noäh (rov), so lange beisammen blei-bn können, ohne vorläufige Absonderung, TheilungM Ausbreitung lau) : ingleichen L) wie unwab-'Meinlich es sey, daß bey der Zerstreuung zu Babel^ Sprachen sollen entstanden seyn, wie oben zuge-Uen worden (§.z;r), da hier mit genauer Noth-Völker herauszubringen, deren Anzal doch selbst'Mwarschemlich ist, weil die Väter von ihren unmit-
telbaren Söhnen und ältesten Kindern abgesondertwerden.
(rrii.B.) Bey dieser an sich nicht unwarscheinli-chen Eintheilung der Länder nach einiger Ordnungund Verabredung, hätten die Verfasser, zur Beibe-haltung der Warscheinlichkeit, entweder eine vorläufi-ge Verabredung dieser Ausbreitung und Besitz»»-mmig vor der erfolgten Verwirrung der Sprachenzugeben müssen, die sie doch oben bestellten; oder aufVerschaffung nötiger Dolmetscher bedacht seyn, diebey der augenblicklichen Verwirrung der Sprachenund derselben gegenseitigen Unverständlichkell zu sol-cher Ordnung, inBefihnemung der Länder, unent-berlich gewesen.
A.W. H.lTheil.
Uu