Band 
Erster Theil.
Seite
376
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Z76 in Hauptst. Geschichte Egyptens bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.

sie nur einen Zweig ab, und pflanzen ihn an einen kleinen Graben; so wird in zwey bis drt-Jahren eil» so dicker Baum daraus, daß sie ihn verpflanzen können (s^).

§. 427.

Fruchtbarkeit Da andere Flüsse gemeiniglich die Fettigkeit des Landes, so sie überschwemmen, weg-so der Nil vcr, zusüren pflegen : so ist der L 7 ?il darin von ihnen ganz unterschieden ; indem er vermittelst deSanlasset. oder Schleims, so er mit sich füret, ohne einigen anderweitigen Dünger, die Erde

fett und ungemein fruchtbar machet. Die Egypter sind der müsamen Arbeit des Pflü-gens, Grabens und Eggens überhoben^ Wenn der Fius verlaufen ist, haben sie nichts wei-ter zu thun, als daß sie nur die Erde mit etwas Sand vermengen, um ihre Stärke zu ver-mindern ; worauf sie mit geringer Mühe und fast ohne alle Beschwerlichkeit die Aussaat ver-richten. In den alten Zeiten sollen sie die Gewonheit gehabt haben, daß sie den Samendurch ihre Schweine in die Erde treten lassen; worauf sie die Ernte ohne weitere Mühe er-wartet ; und alsdenn die Schweine wieder aufdie Felder gelassen, das Getreide aus den Ach-ten zu treten; und also keine weitere Mühe gehabt, als ihr Getreide einzusammeln und weg-zulegen '). Sie jaen gemeiniglich im wein- und winrermonate, wenn das Wasserfält; binnen zwey Monaten ist das Feld mit allerley Getreide und Hülsenfrüchten bedecket,und ihre Ernte fält in den Merz und April. Einerley Stück Feld träget in einem Jah-re drey bis viererley Gattungen von Getreide und Gartengewächsen. Zuerst säen sie Sal-lat und Gurken, hernach Getreide, nach der Ernte aber Melone»» und solche Hülsenfrüchte,die Egypcen allein eigen sind

§. 428.

»c kuna Das außerordentlichste ist, daß diese erstaunliche Fruchtbarkeit, die durch die Ueber«'

Tornetz g. ^^^mmung des Nils veranlasset wird, nicht allein das Erdreich betrist, sondern auch aufMenschen und Vieh sich erstrecket ^). Die beständige Erfarung bezeuget, daß das neueWasser die Weiber fruchtbar machst, wenn sie sich darin baden, oder nur davon trinken;denn sie werden gemeiniglich i»n Heumonare und August schwanger, und kommen in». April

i) S. »>b. 2- Kr. lib, I p. ZL. i) lib, l P. Z2,

(249.2z.) Die Sefnung der Graben zur Aus-breitung und richtigen Verseilung des Wassers, isteine Gelegenheit vieles Streits, ja Blutvergießensder verschieduenen Gegenden in Egypten gewesen,daher die genaueste Einrichtung der Gesetze gemachtwerden müssen, das gehörige Verhältnis der Zeitzu beobachten. Gemeiniglich geschieht die Sefnungin Niederegypten 9 Tage später,ais in Oberegvpcen,und allezeit in Gegenwart der Obrigkeit. An denerhabenen Orten des Landes wird alsdenn unaus-sprechliche Mühe angewandt, das Wasser aus denniedrigen Canalen in die Hähern zu ziehen, welchesoft viel Mans hoch geschehen nms, ja zuweilendurch ; Brunnen übereinander,aus einem unkernVe-hältnis in ein höheres. Dabey noch weit mehr Ar-ten von Brunnen und Kunstwerken gebraucht wer-den, als hier angefüret worden. Maillet schreibtTh. 2 S- 9 Z wem rechne bis zoono Ochsen, die zumWasserziehen täglich gebraucht würden, doch könneman sicher die Anzal verdoppeln.

(250. B.) Die Fruchtbarkeit von Egypten hat

zwar in den neuern Zeiten sehr abgenommen, dochnicht sowol aus Schuld der Natur, als Nachläßt«!-keit der Einwvner und schlechten Wartung des Lan-des,sonderlich in den vomNil entferntem Gegenden,deren viele anjetzo ganz wüste liegen, die vordem be-wont und fruchtbar gewesen, welches hauptsächlichvon dem gesperten Kornhandel und verminderterAnzal der Einwoner herrnret. Wo indessen die Er-de noch einigermassen gebanet wird, ist die Fruchk-barkeir erstaunlich ; indem Manch Feld an manchenOrten bis viermal des Jahrs trägt, und in dem reich-sten Neberflus: wozu die starke Wirkung der Son»rauf einen so feuchten und gedüngten Boden viel bei-trägt. Da die Regen in den mittägigen Länder»beim Ursprung des Nil« eine unglaubliche Mengeschweflicher und öliger Dünste enthalten müssen; auchganze Gegenden daselbst Mich verbräm werden,die erstaunliche Menge von Rohr, Schilf und Bin-sen zu tilgen, wovon die Asche hernach mit in denNil geschwemk wird ; so ist gar begreiflich, woherdie Erde, so derselbe fürt, solche Fruchtbarkeit ver-ursache.