Band 
Erster Theil.
Seite
420
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420 m Hauptst. Geschichte Egyptens bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.

§. ZOl.

Bon den prie- Der König, die Priester, und die Kriegöleute, machten indessen in der That die dreystern. Stande des Reichs aus. Die Priester wurden in grosser Ehre und hohem Werth gehal-ten, weil sie nicht nur den Gottesdienst besorgten, sondern auch mit ihrer Gelersamkeit undKlugheit dem Stak sehr nützlich waren; daher sie auch beständig um des Königes Personwaren, um ihm, als oberste Räthe, durch Eröfnung ihrer Meinung beizustellen, und vondem Ausgange aller Unternemungen zu urtheilen, vermittelst ihrer Wissenschaft in der Stern-deutung und der Warsagung aus dem Anblick der Opferthiere, ingleia en ihm nützliche Ge-schichte aus den heiligen Büchern vorzulesen. Dieselbe waren von alle n Austagen frey/ undan Macht und Würde die nächsten nach dem Könige ^).

Es trugen die Priester leinene Kleider und Schuhe, durften sich auch niemals all'ders ankleiden; sie liessen sich sonderlich angelegen seyn, dieselben fleißig zu waschen und reinzu halten; ja, grösserer Reinlichkeit wegen beschoren sie alle Theile des Leibes alle drey Ta"ge einmal, und badeten sich beständig, zweimal des Tages und zweimal des Nachts, >"kaltem Wasser, auf eine recht abergläubige Art. Der Dienst eines jeden Gottes wurdtnicht von einem, sondern von vielen Priestern verrichtet, die einen Hohenpriester über s"Vhatten, in dessen Stelle nach erfolgtem Absterben sein Sohn trat. Die Priesterschaft gt'nos grosser Vorzüge, und war von allen häuslichen Sorgen frey; denn sie assen das gervei-hete Brod, und wurden alle Tage überflüßig mit Rind- und Gänsefleisch versehen, bek«'men auch etwas gewisses an Wein; Fische hingegen durften sie nicht kosten. Ja, der blos-se Anblick der Bohnen, welche auch die übrigen Egyprer niemals äffen, würden Priester"abscheulich, weil sie dieselben vor unrein und einen Greuel hielten; und daher hat pythss-g-ras den Abscheu gefastet, den er vor dergleichen Hülsenfrüchten gehabt i) (^b).

§. 5 ^'

H) vbl In pro. vbi supra,

(L 98 .B-) Bey der Kleidung der Priester habendie Schuh aus dem Schilf Papyrus (§-4Z8.) seynMüssen, weil sie nichts, so von Thieren herkommen,an ihren Leib bringen dürfen, folglich keine Wolleoder Leder getragen. Manche neuere Freigeister ha-ben sich auf diese Nachrichten von den egyptistbenPriestern, und den ungemeinen Vorzügen derselben,sehr viel zu gut gethan, und nicht nur den eigentli-chen Ursprung alles äusser» Gottesdienstes oderAberglaubens daraus hergeleitet; sondern dieselbenals einen unwiedersprechlichen Beweis angesehen,sowol der eigentlichen Absichten der Pricsterschaft,als auch der Gefar und Schädlichkeit dieser ArtLeute vor das gemeine Wesen. Wozu der GrafAnr. von Sckastsbury sonderlich den Weg geha-ltet, wie aus seinen mil'cellaneons rellcxions etc.milc. » ck. i p. 41 tg.^o lg. ingleichen der kks-ploax tlle rnvrülikts psrt. Z teÄ. I p. Z87 fg. er-hellet ; rmter dessen Nachfolgern doch einige sowolvon den Nachrichten des Altertums, als der War-scheinlichkeit, viel weiter abgegangen, und sehr un-verschämte Erdichtungen vorgebracht haben )Wobey nur zu wünschen wäre, daß diese Schrift-steller möchten gewust und bedacht haben, daß wenndie vormalige egyptische Eintheilung der Stände

und Lebensarten noch heut zu Tage stak finden soltt,sie selbst unter diesen Orden und Stand gehöre»müsten, dem sie also nicht alle Verdienste abspre-chen , und nichts als eigennützigen Betrug und ge-färliche Schelmerei) beilegen würden r indem all«Geirrten bey den Egyprern, folglich alle obrig-keitliche Personen, Rechtsgelerte, Weltweise undAerzte unter diesem Orden begriffen gewesen, davonnur einige zum opfern und gottesdienstlichen Ver-richtungen bestell worden; welches letztere dock au<vdiesen Schriftstellern eben nicht miefallcn solte, dasie, ihrem Lehrbegrif nach, die ganze Einrichtungdes Gottesdienstes und der Sittenlehre blos in dieHände der Obrigkeiten und Weltweisen zu liefernsuchen; wozu diese egyptische Verfassung als einMuster und Beispiel angesehen werden könte. DAher beinahe zu vermuten steht, daß bey den häufi-gen Veränderungen der Angriffe und Waffen dieserPartey, der bisherige bald abgenutzte Has gegendie egyptische Priester in eine eben so übertrieben«Hochachtung werde verwandelt werden, da sich ist"gleicher, wo nicht grösserer Scheinbarkeit, diese Ein-richtung der Egypter als eine nachamenswürdlg«Klugheit anpreisen liesse, alle Lehren undUebunge"des Gottesdienstes dem Gutfiiiden und der De

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