2 Abschn. Vom Altertum, Regierungsart, Gesetzen rc. der alten Egypter. 447
§. 542.
Es gkebet wenige Völker in der Welt, die ihre ursprüngliche Gesetze und Gewonhei- M ancherieyten so lange beibehalten haben, als die Egypter. Ihre genaue Beobachtung der Verord- gewonheitennungen von höherer Erheblichkeit darf daher nicht bewundert werden, wenn man ihre An- der Ägypter,hänglichkeit und Beständigkeit, in Absicht hergebrachter Gewonheiten und Gebräuche, selbstbey Kleinigkeiten, erweget. Denn eine neue Gewonheit war in Egypten ein Wunder-werk O.
§> 54Z.
In der Erziehung der Kinder waren sie sehr sorgfältig; sie erzogen dieselben aber ^
bey sehr geringer Kost, lindem sie mit wolfeilem Gemüse von gemeinen Sachen gespeisetwurden, ingleichen mit Papyrusstengeln, die in der Asche geröstet waren, wie auch mitStengeln uno Wurzeln anderer Pflanzen, die in den Sümpfen wuchsen, und die man zu.weilen roh lies, zuweilen aber zurichtete. Der warmen Luft wegen gingen sie in der Kind-heit mehrentheils nackend und barfus; so daß sich aller Aufwand auf ein Kind, von seinerGeburt bis zum mänlichen Alter, nicht über zwanzig Drachmen, oder ohngefär dreizehnenglische Schillinge belief; welches eine der Hauptursachen war,daß Egypren ungemeinvolkreich gewesen. Was den Unterricht anbetrifr, den sie ihren Kindern gaben, so lehretcn siedie Priester zweierley Buchstaben , nemlich die sogenanten heiligen, und diejenigen, worinihre gemeine Gelersamkeit beschrieben war. Vornemlich aber übte man sie in der Meö-und Rechenkunst. Indessen gab es in den unteren Ordnungen dieses Volks wenige, die le-sen und schreiben lernten, die Handelsleute ausgenommen. Damit sie aber brauchbareMitglieder des gemeinen Wesens seyn, und geschickt werden möchten sich zu crnären: sostengen sie sehr zeitig an, ihres Vaters Kunst oder Handthierung von ihren Vätern oder na-hen Anverwandten zu erlernen. In der Musik und dem Ringen übten sie ihre KinderNiemals, weil sie beides misbilligten. Die erste hielten sie nicht allein vor unnütz, sonderngar vor schädlich, indem sie nur dazu diene, das Gemüt weibisch zu machen; undvondemandern glaubten sie, daß es nicht eben zur Erhaltung der Gesundheit gereiche, indem diedadurch erlangte Stärke von kurzer Dauer, die Uebung an sich selbst aber gefärlichsey O« Ein besonderer Umstand bey Erziehung der egyptischen Jugend verdienet gerü.
Wer zu werden: man hielte sie nemlich an, Leuten, die älter als sie waren, mit grosser Ehrer-bietigkeit zu begegnen; denn sie musten aufstehen und sich entfernen, wenn jemand vonWehrerm Alter ankam; welche Gewonheit auch zu Sparta üblich war 0.
§- 544>
?/<!/« in 1">maro p. 6;6.
5) O-'o-/. ö/'e. 1.1. p. 72.
r) 1,2.
Morgen eine solche Oefnung bereitet, dadurch die^vnne täglich eine kurze Zeit lang das Gesicht, undlvNderlich den Mund des Götzenbildes bescheinenAb grüßen müssen. Was von der Abwesenheit derAildseulen in den ältesten egyptischen Tempeln ge-meldet wird, ist von den ältesten Tempeln der mei-As Völker erweislich. Ehe man auf eigentliche^udseulen gefallen, hat man grosse Steine und^gebildete Pfeiler zur Vorstellung der Gotheiten«braucht. Die Gestalt der Thiere, bey AbbildungGötter, wird nicht unwarscheinlich von der ur->keu Gewonheit, sich in ganze und nnbereitete» ^rfelle einzukleiden, hergeleitet; welche Tracht" Altertums man hernach bey Vorstellung der
vergötterten Helden beibehalten, ja endlich gar, nachEinfürung der geheimen Deutungen feierlicher Sin-bilder, in Gestalten der Thiere selbst verwandelt.In den spätern Zeiten sind menschliche Bilderbey den Egyptcrn nicht ungewönlich gewesen,die aber fremden Ursprungs zu seyn scheinen, wievon dem alexandrinischen Serapisbilde unleug-bar ist. Weil diesem Theil eine Zeichnung desGrundrisses und ausfürliche Beschreibung des Iu<pitertemprls zu Theben aus dem Pocock beigefü-get werden sol: so wird der Leser daraus die Ein-richtung der egyptischen Tempel am besten ersehenkönnen-