4ZO mHauptst. Geschichte Egyptens bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.
terwerfen muste, um die Freiheit zu erlangen, mit den egypristhen Priestern umzugehenund in ihre Tempel zu kommen Einer von den Kirchenvätern meldet, sie seyn im vier«
' zehnten Jahre ihres Alters beschnitten -worden wir wissen aber nicht, woher er dieß
Nachricht gehabt. Ob die Juden diese Gewonheit von den Egpprern gelernet haben,wie einige weltliche Geschichtschreiber vorgeben, das ist ein Umstand, den wir anderswo un-tersuchen wollen.
Die Kleidung dieses Volks war eine leinene Weste, die unten Franzen hatte undEalastris genant wurde; und über derselben trugen sie einen weiffen Mantel von wollenemZeuge. Man hielt es aber vor sündlich, mit demselben Oberkleide in den Tempel zu gehen,oder die Todten in wollenem Zeuge zu begraben. Ihre Art, einander auf der Strasse zugrüssen, bestand darin, daß man sich sehr ehrerbietig neigete, und die Hände bis an die-Knie Heruntersinken liesse *).
§. ,
Andere In verschiedenen Gebräuchen und Gewonheiten schienen die Egpprer fast mit Fleis
che derselben, allen übrigen Menschen entgegen zu handeln. Denn unter ihnen war der Gebrauch ring»«füret, daß die Weiber die Handlung und die Geschäfte ausserhalb Hauses besorgten, da in-dessen die Männer zu Hause blieben, zu spinnen und sich mit häuslichen Dingen zu beschäfti-gen. Welches vieleicht zu dem ungewönlichen Geseße Anlas gegeben, kraft dessen nicht dieSöhne, sondern die Töchter schuldig waren, ihre Eltern zu versorgen» Wenn sie eine lasttrugen, so geschahe solches von den Männern auf dem Kopfe, von den Weibern aber auf denSchultern. Wenn sie ihr Wasser liessen, so stunden die Weiber aufgerichtet, die Männerhingegen sehten sich dazu. Ihre Notdurft pflegten sie zu Hause zu verrichten, hingegen öf-fentlich auf der Gassen zu essen; denn, sprachen sie gar recht, unsaubere, ob gleich notwendige,Dinge mus man ingeheim verrichten, was aber wohlanständig ist, mus öffentlich geschehe«.Den Teig kneteten sie mit den Füssen, und den Mörtel bereiteten sie mit den Händen. Undda in andern Ländern die Behältnisse vor das Vieh von dem Aufenthalt der Menschen abge-sondert gewefm, so hatten inEgppten Menschen und Vieh einerley Wonung *). Und wirtönten noch verschiedene Beispiele von gleicher Seltsamkeit «nfüren.
§- 549 .
Ihre dank- Die Haupttugend der Egppter, worin sie alle andere Menschen zu übertreffen vor-barkeit, gaben, war die Dankbarkeit; von welcher sie glaubten, daß sie die gröften Dienste im mensch'lichen Leben leiste, weil sie die einige Aufmunterung zu gutthätigen Handlungen sey. Undaus dieser Ursache geschahe es, daß sie ihre Fürsten als Götter verehreten; denn sie glaubte»/daß diejenigen, welche die Vorsehung auf den Thron erhoben, und beides mit dem Vermö-gen und Willen den Menschen Gutes zu thun versehen habe, einigermassen der götliche*Natur theilhaftig seyn. Daher rürete denn auch die grosse Ehrerbietung* die sie gegen dirUeberbleibsel ihrer verstorbenen Vorfaren bezeigten, und ihre unabläßige Bemühung, allesLeuten und Dingen, wovon sie Gutthaten genossen, ihre Dankbarkeit zu beweisen
§. 550.
Berrdigungs- Die Egppker sollen die ersten gewesen seyn, so die Unsterblichkeit der Selen behnwyebräuche. ptct haben, als welche, ihrer Lehre zu folge, wenn der Leib verweset sey, sich in ein ander"
Thier begeben, und vermittelst einer unaufhörlichen Wanderung die verschiedenen Gatt»"-
gen
-Urrsnckr. Strsmsk. r. p. zc> j) <ke /tbrrlumv I. 2. c. 11. vdi
« 1. 2. 1.1. x. s,.