Band 
Erster Theil.
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460
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4-60 in Hauptst. Geschichte Egyplens bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.

nemen, daß anfänglich beide Künste von einerley Leuten getrieben worden, welches gar ver-mutlich geschehen seyn mag, ob es gleich in den folgenden Zeiten eine andere Bewandnisbekommen. Denn es ward nicht einem jeden Arzt erlaubt, alle Theile und Arten dieser Kunst I

zu treiben: sondern sie ward in verschiedene Theile abgesondert, und ein jeder legte sich nurauf die Heilung einer Krankheit, ohne mit den übrigen etwas zu thun zu haben. DieseEinrichtung veranlassete eine Menge von Aerzten in Egyptenz indem sich einige mit Hei-lung der Augenkrankheitcn, andere mit dem Kopf, den Zahnen, oder den Theilen des Un-teuleibeS beschäftigten; einige sich auf Handgriffe der Wundärzte legten, andere aber dieHeilung innerlicher Krankheiten besorgten"). Bey welcher Einrichtung man von denselbengrosse Entdeckungen in ihren verschiedenen Beschäftigungen hätte erwarten können, wennnicht die Gestze allen weitem Erfindungen gleichsam die Thüre verschlossen durch Nötigungder Aerzte, ihre Arzeneien nach gewissen festgesetzten Regeln und Recepten zu verordnen, diein ihren heiligen Büchern gestanden, und aus langer Beobachtung und Erfarung gesamlet,und von den berümtesten Kunstverständigen genemgehalten worden. So lange nun derArzt nach diesen rechtlichen Vorschriften verfur, war er ausser Verantwortung, die Wirkung 'der Arzney mochte seyn, wie sie wolte. Wenn er es aber wagte, davon abzugehen, und sei-ner eignen Einsicht zu folgen: so muste er vor den Erfolg stehen, und im Fal daß der Krankestarb, Gefar seines eigenen Lebens laufen ^). Indessen mus man gestehen, daß diese Ver-fügung ein kräftiges Mittel gewesen, den schädlichen Unternemungen der Quacksalber Einhaltzu thun. Ein anderer merkwürdiger Umstand in Absicht der egyptischcn Aerzte hat darinbestanden, daß ihnen gewisse öffentliche Einkünfte durch die Gesetze verordnet gewesen, da-vor ihnen nicht frey gestanden, von jemand, der im Kriegs Heer oder auf einer innerhalb desReichs vorgenommenen Reise krank worden, einige Bezalung zu nemen

§. s6l.

Deschlus der« Die ägyptischen Arzeneimittel scheinen mehr zur Verwarung vor Krankheiten, als

* b"' Heilung derselben eingerichtet gewesen zu seyn. Sie verordneten vomemlich Ausräumun-gen des Leibes, die sie durch Clistiere, abfürende Getränke, Brecharzeneien, oder auch durchFasten zu bewerkstelligen suchten; und diese wiederholten sie alle Tage; oder liessen, nach Be-schaffenheit der Umstände, den Kranken drey bis vier Tage dazwischen suhen: denn sie wa-ren der Meinung, daß von genossenen Speisen das meiste überflüßig sey, folglich die Na-tur beschwere und Krankheiten verursache ^). Daher pflegten diejenigen, die in dem Korn-lande woneten, alle Monate sich durch Brecharzeneien und Abfürungen zu drey verschiedenenTagen zu reinigen, um dadurch ihre Gesundheit zu bewaren, ohnerachtet sie sonst vonNatur eins der gesundesten Völker von der Wckt gewesen Die Wirkung der Arzeneiendesto besser zu befördern, legten sich die Aerzte nebst ihrer eigentlichen Wissenschaft auf dieSterndeutung und die bey ihnen verordnete Geheimnisse ^), weil die egyptische Hcilungs-kunst groffentheils auf astrologischen und magischen Gründen berührte, indem entwe-der der Einflus eines besondern Jrsternes, oder ein gewisser Schutzengel in Erwegung ge-zogen ward r) z welche wilkürliche und eingebildete Gründe den Wert ihrer Gefchickiich-keit notwendig sehr vermindern, und alle Vermerung ihrer Erkentniö, so aus andern Grün>den zu erwarten gewesen, hindern müssen. Indessen können wir der Meinung eines neuern >Schriftstellers nicht beitreten, der sich daher einbildet, daß die Verschreibungen der alten !

I, s. H) /),-></. I, I. p. c) k0cm ibiö. «0 v-o-s. Kc. I. I. p. 7Z.

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