2 Abschii. Vom Altertum, Negierungsart, Gesetzen re. der alten Egypter. 469
worden r). Darin bestunden die schriftlichen Denkmale der Egypter. Von jeglicher Gat-tung derselben waren einige öffentlich bekant, auch dem gemeinen Man und Ausländern ver-stündlich; andere hingegen waren dunkel und geheimm'Svol, welche in dem innersten derTempel verwaret, und nur sehr wenigen Menschen gezeiget wurden. Denn unter den Al-ten, und sonderlich bey den Egyprern, gab es zweierlei) Arten von Gelersamkeit, die ge-meine, und die geheime; ihr Unterschied bestünde nicht sowol in der Sache selbst, alsvielmehr in der Art des Vertrags derselben Die erste stund jederman offen, und konteaus den öffentlichen Denkmalen und von den ordentlichen Lehrern erlernet werden; die an-dere Gattung aber war auf mehr als einerley Art verkleidet und eingewickelt, damit sienicht in Verachtung kommen, oder auch gar verdorben werden möchte, wenn sie durch ge»
Meine Hände gehen sollte. Denn die Denkmale dieser höhern Gelersamkeit waren nicht nurin den geheimen Zimmern der Tempel verborgen, sondern auch mit solchen Zeichen geschrie-ben, die nicht jederman verstünde; und wurden von den Priestern verwaret, bey denen derZutrit sehr schwer war, und welche nicht vermögt werden tonten, sie zu erklären, als nurnach einer Menge von Vorbereitungen und zur Einweihung üblichen Gebräuchen '). Wo-von ihr Betragen gegen den pythagoras elf, sehr merkwürdiges Beispiel abgiebet.. Dennals derselbe willens war nach Egypren zu reisen, lies er sich von dem sumisehen Tyran-nen , polycrates, ein Empfelungsschreiben an den egyptisthen König Amasrs, der seinbesonderer Freund war, mitgeben, um desto freiern Zutrit zur geheimen Gelersamkeit derPriester zu bekommen; und da er zu dem Amasis kam, erhielt er auch von demseben einSchreiben an die Priester, darin denselben besolen ward, dein pyrhagoras ihre Wissen-schaft mitzutheilen. Er begab sich demnach zuerst zu den Priestern in Heliopolis, die ihnaber an die Lehrer zu Memphis, als ihre Aeltesten, verwiesen; von Memphis aber warder unter eben dem Vorwande nach Theben abgefertiget. Nach vielen verschlagenen Aus-flüchten, da sie sich nicht getraueten, durch fernere verzögerliche Entschuldigungen dem Ge-bote des Königes ungehorsam zu seyn, suchten sie den pythagsras von seinem Vorhabenabzuschrecken durch die unsägliche Arbeit und Mühe, die er zu erwarten Habs, indem sie ihmin seiner Probezeit sehr harte Dinge auferlegten, und die dem griechischen Gottesdienstetuwieder waren *). Nachdem er aber mit unüberwindlichem Muthe solches alles überstan-den, nötigte er sie doch endlich, ihn wieder ihren Willen in die Gemeinschaft ihrer heiligenGeheimnisse und tiefesten Gelersamkeit aufzunemen 9 (^).
§. 572 .
Das letzte Mittel, so die Egyprer ergriffen, ihre Lehren vor dem gemeinen Begriff Von ihren
ju verhelen, bestünde darin, daß sie dieselben in hieroglyphische Zeichen, Sinbilder, Rätzel ^»ogl''vhl.
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k) S. rund. ibi-I. in Simsen. 1.17. p. IZy-
r) Ue iüäc er Oiirilie p. Z54. I. > 7 - ?- " 5 S-
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,tZ4i.B>) Die umständliche Nachrichten von Py-Mgocä egypriftbe» sowol als übrigen morgenlän-*>ichen Reisen, beruhen grostentheils auf den spa-ltn und höchst verdächtigen Erzälungen der Plg-!^nker, sonderlich Porphyr» und Iamblichi, die'Ar oft wie Heldengedichte aussehen. Indessen istgedoppelte Lehrart der Alten, so gar wol ausÄgypten hergekommen seyn kan, unleugbar: und. yArrrheilhaft sie auch vordem geschienen, theils die"kntberliche Vorbereitung der Anfänger und Lehr-
L) S.vben Hauptst. i.Abschn.s. §. 152.S. oben §. 547. /)
linge zu höhern Wissenschaften z„ befördern, theilsdie Mishandlung dieser letztem durch unwissendeLeute zu verhüten: so unleugbar ist sie dem Fort-gange und Alifnemcn der Wissenschaften höchst uach-theilig gewesen; indem sie nicht nur unnötige Um-wege und Zeitverlust, sondern auch geflissentlicheDunkelheit, unvermeidliche Misbeutung,falsche Ein-bildung und Vorgeben grosser Geheimnisse, auch sehrenge Einschrenkung gemachter Entdeckungen verursa,chen müssen.