Band 
Erster Theil.
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540
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§40 m. Hauptst. Geschichte Egyptens bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.

mitgenommen worden, so bestieg Mycerinus oder Cherinus (^), des Cheops Sohn,ein leutseliger und gnädiger Fürst, den Thron. Er verabscheute die Gotlosigkeit und Unge-rechtigkeit seines Vaters und Vatern Bruders, öfnete die Tempel, fürete die Opfer wieder ein,und lies das ausgesogne Volk ihr eigen Hauswesen besorgen. Seine Gnade sol so weit ge-gangen seyn, daß, so oft über ein hartes Urtheil in Sachen des Eigentums bey ihm geklagetworden, er dem beschwerten Theile den Betrag des Verlusts aus seinem eignen Schatz gutgethan >). Wie er auf die Glückseligkeit seines Volkes dergestalt bedacht war, sties ihm einschweres Unglück zu, nemlich der Tod seiner Tochter. Er betraurete sie mit ungemeinerBetrübnis, und beehrte sie mit einem außerordentlichen Begräbnis: denn er lies ein holeShölzernes Bild einer Kuh verfertigen, und köstlich vergülden, und legte ihre Leiche da hinein.Diese Kuh wurde nicht beerdiget, sondern in einem prächtigen Gemach des Pallastes in derStadt Gais hingestellet; wobey man des Tages die ausgesuchtesten wohlriechenden Din-ge braute, des Nachts aber den Ort mit einer Lampe erleuchtete. In einem darnebengelegenen Zimmer stunden zwanzig Bilder von nackenden Weibern, welche die Priester zu Saisfür des Mycermus Kebsweiber ausgaben. Allein, wie es gemeiniglich mit Dingen ausdem entfernten Altertum zu gehen pfleget, so ist solches nicht der einige Bericht gewesen, denman von dieser Kuh und diesen Bildern ausgestreuet: man trug sich auch mit der Geschich-te, daß Mycerinus sich in seine Tochter verliebet, sie genotzüchtiget und ihrer Jungfrau-schaft beraubet hätte; worauf sie in eine tiefe Schwermut gefallen und sich selbst erhänget.Die zwanzig nackende Bildseulen in dem Nebenzimmer sollen ihre Weiber gewesen seyn,welche ihrem Vater behülflich gewesen, sie seiner unnatürlichen Geilheit zu verraten, denendaher von der Königin die Hände abgehauen worden. Die Bildstellen hatten zwar in derThat keine Hände; allein, unser Geschichtschreiber, der diese Dinge in Augenschein genom-men, meldet, daß sie vor Alter abgefallen seyn und auf dem Boden herumgelegen. Erberichtet zugleich, die Kuh sey von kniender Stellung, und so gros gewesen als die gröstc le-bendige Kuh. Ihr Kopf und Hals waren stark verguldek; zwischen den Hörnern hatte sieeiken güldenen Ring, der die Sonne abbildete, und der Körper war mit einem schönen ly-rischen Teppich bedecket. Dieses Begräbnisbild wurde järlich einmal aus dem Gemach,wo es stunde, weggenommen, und in die Sonne gestehet, zur Erfüllung einer Bitte derVerstorbenen an ihren Vater, daß sie alle Jahre einmal die Sonne anschauen möchte.

§. 652.

Fortsetzung Uni nun wieder auf unsere Erzälung zu kommen; so war der Tod seiner Tochterkmheiten ^b nicht das einige Unglück, das den Mycerinus betraf, sondern es erfolgete ein noch schreck-licheres : denn das (Orakel zu Bums that den Ausspruch wieder ihn, daß er nur noch sechsJahre zu leben habe, und in dem siebenten gewis sterben würde. Wodurch er sehr beunru-higet ward, und hinsandte, sich bey dem (Orakel zu beklagen, daß, da sein Vaterund Va-ters Bruder, die doch Ungeheuer der Gotlosigkeit und Grausamkeit gewesen, mit einer gros-sen Läng? des Lebens gesegnet worden, es undankbar seyn würde, seine Frömmigkeit undLeutseligkeit mit der Volstreckung eines so strengen Urtheils zu vergelten. Worauf er zurAntwort erhielt, daß sein Vater und Vaters Bruder den SchluS des Schicksals gcwust, wel-ches die Egyprer zu einer hundert und funfzigjärigen Sclaver'ey und Elend verdammet,

und

5 ,) . >. l. p. 57> 52- >.

(IN Der zuletzt angefürte Zeitrechnungsverständige nennet ihn auch Chcres, Br'cheres, Moscb"res, Menchere».