m. Hauptst. Geschichte Egyptcns bis zu den Zeiten Alexanders des Grossen.
kes, als der Gegenstand seines Hasses gewesen. Wir werden uns aber in weitere Untersu-chung dieses Umstandes nicht einlassen, und nur so viel sagen, daß unser Schriftsteller, beydem wir solches finden, nicht allemal der glaubwürdigste Abschreiber gewesen.
§. 674.
Regierung Wem auch Amasis gefolget, und wie er immer zur Krone gelanget seyn mag : so»esslben. wird doch durchgängig eingeräumet, daß er von geringer Herkunft gewesen. Weil er an-fänglich vermerkte, daß das Volk nicht gerne daran wolle, ihm die Ehrerbietigkeit zu erzeigen,die seiner bohen Würde gebüre; so nam er einen güldenen Schwenkkessel, worin seine Ga-ste sich die Füsse zu waschen pflegten, lies ihn einschmelzen und ein Bild eines Gottes dar-aus verfertigen. Dieser kostbare Götze ward in dem volkreichsten Theil der Stadt aufge-stellet, da ihm denn jederman eine andächtige Ehrerbietigkeit erzeigte. Er hielt darauf ei-ne Versamlung der Egypter, und zeigte ihnen an, der Gott, den sie jetzo anbeteten, sey auseinem Gefäs gemacht, worin sie öfters ihr Wasser abgeschlagen, gespien und ihre Füsse ge-waschen; eben so verhalte es sich mit ihm: vormals sey er ein geringer Mensch gewesen,da er aber jetzo ihr König sey, so erwarte und verlange er auch die Ehre und den Gehorsameines Königes. Er hielt die Regel, alle Morgen seine Geschäfte eifrig abzuwarten, die übrigeZeit des Tages aber mit seinen Freunden vergnügt zuzubringen, mit ihnen zu trinken undsich lustig zu machen : allein seine Lustbarkeit war vor einen König von etwas gar zu gerin-gem. Schlage ; woran sich einige von seinen Freunden ärgerten, und ihm versicherten, daßihm solche Vergessenheit seiner Würde die Verachtung aller seiner Unterthanen zuziehenwerde. Worauf er versetzte : daß, wie ein Bogen, der allezeit gespant sey, unausbleiblichviel von der Kraft seiner Feder verlieren, und endlich ganz unbrauchbar werden müsse; soauch ein Mensch, der unabläßig mit ernsthaften Sachen zu thun habe, dum werden und sei-ne Sinne verlieren müsse : weil er nun von dieser Warheit überzeugt sey, so habe er be-schlossen, seine Zeit unter die Arbeit und den Zeitvertreib zu vertheilen. Es wird auch inder That von ihm erzält, daß er zu der Zeit, da er noch ein gemeiner Mensch gewesen, einsonderbares Vergnügen am Trinken und Lustbarkeiten gefunden ; ja ein solcher Feind von derArbeit gewesen, daß er sich bey seiner Schwclgerey und Ueppigkeit mit fielen durchgeholfenhabe. Bey welcher verhasten Handthierung er öfters verklagt worden, allezeit aber seinVerbrechen geleugnet: daher man ihn gemeiniglich vor das (Orakel des Orts, wo er sichjedesmal befunden, gebracht, von welchem er zuweilen überfüret, zuweilen aber auch unschul-dig erkläret worden. Nachdem er zum Thron gelanget, überdachte er seine vorigen Be-gebenheiten, und in Erinnerung der Betrieglichkeit und Unwissenheit der (Orakel, die ihnvor unschuldig erkant hatten, verachtete er die Tempel solcher Götter, enthielt sich ihrer Opstk/und weigerte sich, dieselben mit einigen Gaben zu beschenken. Im Gegentheil verehrete erdiejenigen ihrer Warhaftigkeit und Alwiffenheit wegen, die ihn seines hästichen Verbrechenshalben für schuldig erklärt hatten.
§- 675.
Seine öffent- Er bauete eine Bogenstellung an dem Mmerventempel zu Sais, die frivol Mliche gebäude. Ansehung der Grösse ihrer Ausmessung, als der dazu gebrauchten starken und festen Mate-rialien, ungemein prächtig war, welche er mit riesenmäßigen Bildseulen und den ungeheurenBildern von Androsphynxen auszierte. Die Steine zu diesem Gebäude wurden zuMTheil aus den Steinbrüchen Memphis genommen; die grössesten aber kamen zu Was-ser, zwanzig Tagereisen weit, auf dem Flus aus der Stadt Elephamis, und eine grosse
Menge