6 Abschn. Könige von EgypLen nach der morgens. Geschichtschreiber Bericht. 57Z
§. 700.
Saurid, ein Monarch, den Weisheit, Gerechtigkeit und Macht gleich merkwürdig Fortsetzungmachen. Man erzält, er habe einsmals geträumt, als sahe er die Erde mit allen ihren Ein- derselben,wonern umgekeret, die Menschen auf ihren Gesichtern liegen, die Sterne vom Himmel fal-len, und alles mit Uneinigkeit und Verwirrung erfüllet. Ein Jahr nachher hatte er einenzweiten Traum, von eben der Art; welches ihn so sehr bekümmerte, daß er unverzüglich dieGelertcsten unter den Priestern, mit allen Weisen und den Lehrern geheimer Künste in Egv-prcn, zusammen fordern lies. Diesen erzälte er seine Träume, mit dem Begeren, ihm dieBedeutung derselben zu erklären. Welche Weise denn, nach gemeinschaftlicher Beratschla-gung, und nach Beobachtung aller nötigen Vorsicht, des Königes Verlangen zu erfüllen, ihmendlich eröfneten, daß eine gewaltige Sündflut die Erde bedecken werde, und die Wirkun-gen derselben seyn ihm in seinen Träumen angezeigt worden. Nachdem der König bis gehörtund in Betrachtung gezogen, lies er Spitzseulen und andere erstaunliche Gebäude auffürendie ihm und seinem Hofe sowol zur Zuflucht, als zu Grabstaten dienen sollen, ihre Körper auf-zubehalten. Auch faste er den Entschlus, die Decken und Wände dieser Gebäude mit hie-roglyphisihen Schriften erfüllen zu lassen, worin alle die manchfaltige den Egyprerrrbekante Wissenschaften erklärt gewesen, als unschätzbare Kostbarkeiten, die zum Diensteder Nachwelt aufbehalten seyn sollen. Gleichergestalt beschlos er, die Gestalten derSterne und himlischen Zeichen, mit ihren Wirkungen und Bedeutungen, die Geheimnisseder Natur, und die. Erfindungen der Kunst, die Kräfte der Arzeneien, und die vornemstenGrundsätze der Meskunst, vorstellen zu lassen. Diesem Entwurf zufolge erbaute er diedrey grossen Spitzseulen ; von deren Bauart sowol, als von den unterirdischen Gemächern,die in jeder derselben angelegt worden, der Verfasser, aus dem wir diese Nachricht «einen,eine weitläufige und umständliche Beschreibung ertheilt. Er beschlisst dieselbe mit der An-merkung, daß die Egpprer diese ungeheuren Gebäude recht in der vollen Blüte ihrerGlückseligkeit aufgefürt, da sie höchst zalreich, und eben so begütert gewesen. Nachdem die-selben fertig gewesen, lies Saurid dieselben mit seidenen Zeugen von allerley Farben, vonder Spitze an bis auf den Fus, überdecken, und bey derselben Gelegenheit ein algemeines' Fest ausrufen ; welches eine geraume Zeit gedauret, und bey welchem, nach unsers Geschicht-schreibers Erzälung, sich alle Einwoner Egyptens eingefunden. Als dieses Fest vorbeywar, lies der König dreißig grosse Besässe, die aus einer gewissen Art künstlicher grünen Stei-ne verfertiget gewesen, in den Boden der gegen Morgen gelegnen Spitzseule fetzen. DieseGefäße füllete er mit allen Arten von Juwelen und kostbaren Steinen, legte alsdenn Deckeldarüber, und übergos dieselben mit geschmolzenem Bley : über solchen Fusbüden aber streueteer eine ansenliche Menge güldner Münzen, die Augen eines etwa künftigen gewinsüchtigenBesichtigers zu verblenden, und dieselben von Entdeckung der Gefäße abzuhalten. Diezweite Spitzseule machte er zu einem Behältnis alles dessen, was zur bürgerlichen Geschichtegehörte: indem er die Bücher und Urkunden in eben solchen Besässen daselbst verwarte alsdie Juwelen. In die dritte Spitzseule trug er alles zu ihrer Kirchengeschichte und den ho-hen Wissenschaften gehörige zusammen. In jede derselben aber legte er noch sehr grosseschätze, und lies daselbst alles zur Ausname eines Fürsten veranstalten, der dahin etwa sei-"e Zuflucht nemen möchte; auch lies er in der Mitte derselben bequeme Plätze zu seiner undseiner Bedienten Beerdigung anlegen. Diese und viele andere Umstände sollen, dem Vor-über, nach, aus den alten Büchern der Lepren genommen seyn; inwelchen berichtet wor-
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