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Volkssitten und Religionsgebräuche durch die Ausübung des Seidengewerbesbeeinflusst worden sind.
Schon vor dem Jahre 3000 vor Ohr., berichtet das geschichtliche WerkTschu-king 1 ), war Shin-nong, der Nachfolger Kaisers Fohi, bestrebt, dieKultur der Maulbeerbäume und die Seidenraupenzucht möglichst zu verbrei-ten, um das Gewerbe der Anfertigung von Angelschnüren zu fördern, dieaus dem Darminhalt der Raupen, etwa wie Glasfäden, gezogen wurden.Fohi selbst hatte die auf diese Art erzeugten Seidenfäden als Saiten fürein musikalisches Instrument „kin“ verwendet, dessen klangvoller Ton be-rühmt war. Die eigentliche, gegenwärtig übliche Verarbeitung der Kokou-gespinste vermittelst des regelrechten Abhaspelns soll durch die KaiserinSi-lung-shi, Gemahlin des Hoang-ti, nach anderen Angaben durch dessenTochter Lui-tseu, im Jahre 2698 vorChr. eingeführt worden sein, die, nach-dem sie eine spinnende Seidenraupe beobachtet, auf den Gedanken kam, denSeideufaden von dem Kokon in umgekehrtem Sinne wieder abzuwinden undals Textilfaser zu verweben. Diese Idee wurde alsbald mit ausgezeichnetemErfolg verwirklicht; die erfinderische Kaiserin wurde in Anerkennung ihrerVerdienste gleich nach ihrem Tode in die Reihe der Gottheiten auf'genom-men und als „Geist des Maulbeerbaumes und der Seidenraupe“ geweiht;ein Sternbild (Konstellation des Skorpions), in welchem Si-lung-shi alsProtektorin der Seidenzucht versinnlicht wird, ist ihr unter dem Nameni,tsan-fang“ (Seidenhäuschen) geheiligt worden 2 ). Alsbald ist die Seiden-zucht zu einem regelmässigen Gewerbe geworden, bestimmt, in der ganzenpolitischen und ökonomischen Geschichte Chinas eine unverkennbar bedeu-tende Rolle zu spielen ä indem sie dazu geeignet schien „die Sittlichkeit desVolkes zu erhöhen und die Armut zu bekämpfen“ 3 ), als auch in den spä-teren äusserlichen Beziehungen Chinas zum Brennpunkt der politischenfragen und zur Grundlage des Handelsverkehrs zu werden.
Die zusammenhängende Geschichte der chinesischen Seidenindustrie istin einem besonderen Werke „Hawai-nan-tse“, Klassik des Seidenwurmes,aufgezeichnet. Eine Menge von Citaten über die Seide in den geschicht-lichen Werken Chinas zeugt von der Wichtigkeit des emporblühenden Seideu-gewerbes. So berichtet Konfucius über die Erbauung grossartiger Seiden-häuser im Jahre 2357 sowie über die Anlage der Schutzdämme gegen Über-schwemmungen des Flusses Yao , au dessen Ufern ausgedehnte Maulbeer-plantagen lagen. Der chinesischen Seidenstoffe findet man zuerst im Jahre2255 vor Chr. Erwähnung gethan, zu welcher Zeit sie von der Provinz Shan-tüng, die auch als eigentliche Heimat der Seide im engeren Sinne be-trachtet wird, als Gabe und Huldigung au den kaiserlichen Hof des Shun-tieu geliefert worden sind 4 ). Im Jahre 2200 erscheint im Buche Tschu-
) „Tshu-king“, übers, von de Guignes, Paris 1770 .
8 ) .To-san-fi-rok, S. 135 .
) Wardle, The wild silks of India, nach Rosny .
4 ) de Guignes, Tshu-king, S. 14 .