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Indische Bombykia.
heimische gelbe Maulbeerraupenrasse, die zur Seidengewinnung wohl durchVerzupfeu nach dem Ausflie’gen des Schmetterlings uud Verspinnen dieserWatte am Spindelrade verwertet wurde. Die Gesetzgebung Manu (12—8.Jahrh. vor Chr.) erwähnt sogar eine regelmässig und mit grosser Sorgfaltbetriebene Seideuzucht, von welcher jedoch mit Gewissheit auzunehmen ist,dass daberi das Töten der Puppen, das Dörren der Kokons und somitauch das Abhaspeln nicht stattfinden konnte, da zur Zeit, als das Dörr-verfahren durch die Chinesen zur allgemeinen Kenntnis gelangte, dasselbeals durch die Religion verpönt, nicht angewendet werden konnte. Ein inSakuntala 1 ) unzweifelhaft die echte, glanzvolle Maulbeerseide bezeichnenderAusdruck „Tschina amsuta“ (Chinas Seide) weist darauf hin, dass das At-tribut der äusseren Pracht zum Unterschied vou dem weniger bestechendeneinheimischen Produkt lediglich der chinesischen Seide beigelegt wurde unddies zu einer Zeit, wo das von den Chinesen monopolisierte Verfahren derSeidengewinnung bereits aufgehört hatte, ein Geheimnis zu sein.
Die Verarbeitung wilder Kokons durch Spinnen zu Fäden und zuGeweben, die zwar nhjht den Glanz und die blendende Weisse der echtenSeide besassen, aber sich durch ihre Dauerhaftigkeit und Weichheit auszeich-neten, war in Indien (Bengal) seit Urzeit im Betriebe 2 ). Bei den regenBeziehungen Indiens zu den alten Ägyptern, Römern uud Phöniziern würdees übrigens auffallend erscheinen, wenn ein so prachtvoller und wichtigerTextilstoff, wie Seide, in Indien verarbeitet und verwendet worden wäre,ohne so aufmerksamen Schriftstellern, wie Herodot , aufzufallen und voudiesen beschrieben worden zu sein. Diese Thatsache wird in den Angabenchinesischer Pilger erwähnt, welche Indien bereisten und in ihren Be-richten unter den Landeserzeugnissen die indische „kiao-tshe-ye“, die „wildeSeide“ anführen, eine Bezeichnung, die übrigens unfehlbar auf das sans-kritische „Kiluceya“ hindeutet und zur Genüge die Art der indischenSeidenfaser charakterisiert 3 ). Noch im II. Jahrhundert, als die echte chi-nesische Seide bereits grossen Absatz iu Westasieu erlangt hatte und somitdie Möglichkeit eines Vergleichs des prachtvollen chinesischen Produktesmit dem unansehnlichen einheimischen gegeben war, kam es den Indiernnicht in den Sinn, ihren einheimischen wilden Maulbeerspinnern, als einerQuelle des Natioualreichtums, mehr Aufmerksamkeit uud Sorgfalt zuzuwendenund durch regelmässige Seidenzucht und entsprechende Behandlung der Kokonsein dem chinesischen ebenbürtiges Gespinst zu erzeugen. Dies geschahaus sehr einfachen, weiter unten angegebenen Gründen, und so ist esnicht zu verwundern, dass Indien , trotz seines Überflusses an Seiden-raupen und trotz seiner thatsächlichen Seidegewinnung in allen geschicht-
1 ) Kälidäsa, Dichtungen (6. Jahrh. nach Chr.).
2 ) Latreille, Diction. d’hist. natur. appl. aux arts (Kap. Bombyx). Forbes-Watson ,The textile manufactures and the costumes of the people of India. London 1867.
3 ) Voyage des p'elerins bouddhistes, I. liv. 2. Vie de Hiouen-tsang, S. 253. Ab.Remusat, Nouveaux melanges asiatiques, I. 254. Giraud, Les origines de la soie.