Anfänge des Seidenhandels.
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Nachdem wir nun die Geschichte der Einführung der Seide nach demAbendlande studiert haben, wenden wir uns zu einer pragmatischen Er-örterung der Wege, vermittelst welcher die Seidenerzeugnisse des Orientszu den Völkern des klassischen Altertums zu gelangen pflegten, einer Be-frachtung, die im Gang der Weltgeschichte jener Zeit eine notwendigeStütze finden soll.
Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, dass die BombykienWestasieus schon in den homerischen Zeiten durch Phönizier nach Europa gebracht wurden, denn assyrische und indische Erzeugnisse bildeten einender ältesten und bedeutendsten Artikel des phönizischen Handels ’).
Wie man mit Sicherheit annehmen darf, dass chinesische Seidenwarennoch in vorchristlicher Zeit nach Europa gebracht worden sind, so ist esandererseits sicher, dass sie hierher durch Vermittelung Indiens gelangten.Durch bequeme Landstrassen mit dem Partherreiche und durch Indus und Ganges mit dem Meere verbunden, sowie von sonstigen natürlichenVerhältnissen begünstigt, werden die nördlichen Gegenden Indiens alsbaldnach dem Inkrafttreten der Handelsbeziehungen mit China zu einem Stapel-platz der Seidenerzeugnisse. Jedoch war der Mafsstab dieses Seidenverkehrsverhältnismässig nur gering. Erst unter der Dynastie der Han’s (II. v. Chr.—II. n. Chr.) kommt die Seidenproduktion Chinas derart in Aufschwung,dass sie nicht nur dem Luxus im Innern des Landes einen bis dahin un-erreichten Mafsstab verleiht, sondern zum Suchen nach Absatzgebieten undzur Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen mit den Völkern Westasiensdirekte Veranlassung giebt. Im Jahre 114 v. Chr. ging die erste Handels-karawaue von China nach dem Lande der An-si ab, , eines Volkes, unterwelchem mau mit grosser Wahrscheinlichkeit die später so gefährlichenNachbarn des Römischen Reiches, die Parther , vermuten kann. Der Han-delsverkehr scheint indessen in nichts weniger als gesicherte Bahnen ge-treten zu sein, indem die vereinzelten chinesischen Handelszüge nicht seltenden Raubaufällen zum Opfer fielen und gewiss auch solche verübt haben.Erst zu Beginn unserer Zeitrechnung gewinnt der Verkehr der siegreichnach dem Westen Asiens vorriiekeuden Chinesen mit den Parthern denCharakter eines regelrechten Handels. Wenige Jahrzehnte nach dem Er-scheinen der Chinesen auf den östlichen Märkten, nachdem im J. 64 v. Chr.das mit den Reichtümern des Orients so reich versehene Syrien durch Pom-pejus römische Provinz wurde, ist es, dass bei den klassischen Schriftstellerndie erste direkte Kunde von einem Volke der Serer auftaucht, über derenWohnsitze jedoch zur Zeit noch fast vollständiges Dunkel herrscht. LautFlorus soll zur Zeit Augustus eine chinesische Gesandtschaft am römischenHofe erschienen sein, mit welcher ein Handelsvertrag abgeschlossen wurde;doch darf man dem im allgemeinen wenig glaubwürdigen Florus um so
') Herod. I. 1. III. 107.
Hüllmann, Handelsgeschichte der Griechen. 94 ff.