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Erster Band.
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Begriffe über Seide.

sanias; unterdessen sprechen Mela, Seneka, Silius Italikus, Plinius selber, Solinus sein Kopist, Arrian, Ammiauus Marcellinus, Virgil und gar Claudius im vierten Jahrhundert n. Chr. immer noch von sehrfeinem Wollgewächs, das auf den Baumblättern hervorkomme und das manmit Wasser anfeuchte, um es los zu wickeln. Achilles Tatianus ist derEinzige, der eine übrigens ziemlich originelle Vorstellung von der animali-schen Herkunft der Seide gefasst hat; sie sei, nach seiner Aussage, einfeiner Flaum, den die Vögel auf den Blättern zurücklassen und den dieInderinnen sehr sorgfältig sammeln. Im grossen und ganzen galt somitdie Seide eine geraume Zeitlang hindurch als ein baumwollartiges Gewächs;die daun aufgetauchten dunklen Nachrichten über die an Maulbeerbäumenhängenden Kokons bekräftigten die Annahme, dass die letzteren für Früchtegehalten wurden. Man darf auch nicht ausser Acht lassen, dass sowohl dieChinesen, wie die handelvermittelnden Völker es absichtlich nicht unter-lassen hatten, derartige Fabeln und falsche Nachrichten über die Her-kunft der Seide zu verbreiten, um das Geheimnis der Kaupenzucht zuwahren. Folgendermafsen berichtet Ammianus (214 n. Chr.) über die Seiden-gewinnung bei den Chinesen: „... unter den Bäumen sitzend, welcheFlocken der feinsten Wolle hervorbringen, die, nachdem sie mit Wasserbesprengt worden sind, abgestreift, gesponnen und zu den feinsten Geweben,den serischen Gewändern verarbeitet werden.“ Die Meinung, dass die serischeSeide von einem spinnenden Insekt geliefert werde und durchaus animali-schen, nicht pflanzlichen Ursprungs sei, bürgert sich erst im II. Jahrh. end-giltig ein. Die Homilien des hl. Basileus enthalten die ersten wahrheits-getreuen Angaben über den Seidenwurm. Einige vergleichen die Thätigkeitder Maulbeerranpe mit der einer gewöhnlichen Spinne'). Der hl. Basileusund Joh. Chrysostomus vergleichen die Metamorphosen der Seidenraupe, ihreVerwandlung in den Schmetterling, mit der irdischen und der ewigen Wan-delung der Menschenseele. Einer der ersten, der die Seidenraupe als ein•wichtiges, nutzbringendes Insekt erkannt hat, war Pausanias (zweite Hälftedes II. p Jahrh.), der auch eine ziemlich umfängliche, wenngleich an Irr-tiimern reiche Beschreibung der chinesischen Seidenkultnr hinterlassen hat 2 ):„ ... es giebt bei den Sereru ein Tierchen, von dem die Seide herrührt,welches den Spinnen gleicht und von den Serern ernährt wird, indem sieihm passende Häuser im Winter und im Sommer einrichten. Seine Arbeitoffenbart sich in einem feinen Gespinst, welches es mit seinen Füssen zu-dreht. Mau zieht es vier Jahre (lies Lebensperioden d. i. Häutungen) mitHirsenahrung gross. Im fünften — denn man weiss, dass sie nicht längerleben — giebt man ihm grüne Zweige zu fressen; dies ist des Tieresliebste Nahrung und vollgestopft damit, platzt es vor Dicke; in dem abge-storbenen Tiere findet man dann reichlich Fäden.“

*) Heliod. Aethiop. lib. X.s ) Aeliae. lib. VI. 26.