Band 
Erster Band.
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Die Strassen des Seidenhandels.

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nach werden mehrfache Wege eingeschlagen und die Zahl der Handels-Vermittler nimmt allmählich zu 1 ). Kurze Zeit nach der Anknüpfung desdirekten Verkehrs mit China erlangte Indien eine dominierende Stellungim Seidenhandel, die es hauptsächlich seiner geographischen Lage zu ver-danken hatte; die Häfen Minnagora (heute Almansora au der Indus-mündung), Muziris (heute Mangalore an der Malabarküste) und Barygaza (im Cambaygolf) waren eine geraume Zeit lang die wichtigsten Seideumärktefür den äusseren Verkehr. Mit dem Aufkommen der regelmässigen chine-sischen Seefahrt gewinnt Taprobanis (Ceylau) an Bedeutung und geniesstin der Zeitperiode vom IV. bis VI. Jahrh. ununterbrochen den Ruhm deswichtigsten neutralen Mittelpunktes für den Tauschhandel mit China unddes bedeutendsten Stapelplatzes für Seide 2 ). Eine der ersten Landhandels-strassen für Seide war der Karawanenweg durch die Thalebene Sogdiana und Turkestau bis Marakanda (Samarkand ), wo sie von Partkern in Em-pfang genommen und weiter übermittelt wurde. Den wichtigsten Anteil audiesem Verkehr hatten naturgemäss die Sogdiauer, welche ihre Verträgehauptsächlich in den Handelsstädten am Nordrand des persischen Eransund in den Häfeu Artaxata, Kallinicum und Nisibis abschlossen 3 ). Zu diesenletzteren gelangte die Seide sowohl durch Landkarawanen, wie auf demWasserwege vermittels des persischen Golfes und Euphratus, und zwar ent-weder von der indischen Küste oder unmittelbar von Ceylau. Die Parther behaupteten die Hauptroute der Landkarawanen über Pendschab und diePässe Hindukusch und dominierten ausserdem über die Segelfahrt des Eu-phratus und Tigris; ihre wichtigsten Handelsstädte waren Obollah und Kte-siphon. Andere Handelsstrassen sind in späterer Zeit durch christlicheAethiopier und Griechen von Abdulis und Hafen Ivlisma am Roten Meer (jetzt Kolsum bei Suez) aus nach Indien eröffnet worden; ihre Bedeutungtritt jedoch weit hinter den anderen zurück. In Persien war die ProvinzMesena mit ihrer Hauptstadt Schiraz am Küsteulande des persischen Golfesfür deu Seidenhandel von Wichtigkeit; durch ihre Vermittelung bezogen dieRömer während des Zeitraums vom II. bis zum IV. Jahrh. die Seide fastunmittelbar von den Serern 4 ). Im IV. Jahrhundert bemächtigen sich diesiegreichen Sassaniden auch der Seefahrt, und mochte nun die Seide aufdem einen oder anderen Wege nach deu Stapelplätzen des abendländischenSeidenverkehrs gelangen, so waren es stets die Parther , die sie zuerst inEmpfang nahmen und streng darüber wachten, dass die Römer sie aus-schliesslich nur durch ihre Vermittelung erhielten. An der Monopolisierungnahmen auch teilweise die Syrer Teil, die mit dem weströmischen Reiche

') Geogr. graeci minores, Ed. Müller, 1855.

3 ) Cosm. Indicopl. Opin. de mundo, lib. XI.8 ) Ammian . Marcell., 14, 3.

Procop, De bello persico. 2, 12.

4 ) Fariset, L’histoire de la soie, I. 94.