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Anfänge der Seidenverarbeitung.'
der ersteren erzeugt wurden. Denn würde dieser Gattungsname alle derInsel Cos entstammenden Seidenfabrikate umfasst haben, so mussten, da dasBombykiengewerbe seit uralten Zeiten betrieben wurde, auch die Angabenüber die koischen Stoffe viel älter sein; man hielt aber allem Anschein nachdie koischen Bombykien für sogenannten Byssus, d. i. sehr feines Leinen.Diese Annahme erklärt die Thatsache, dass — bis auf die erwähnte Notizdes Aristoteles — die koischen Stoffe erst von römischen Schriftstellern desI. Jahrh. n. Chr., besonders von Dichtern des augusteischen Zeitalters, er-wähnt werden 1 ), wohl weil das Rohmaterial, d. i. die serischen Stoffe, vordiesem Zeitpunkt unbekannt waren. Plinius der Altere ist der letzte, derder koischen Stoffe gedenkt, anscheinend, weil dadurch, dass die chi-nesischen Gewebe billiger und weniger selten wurden, zu der sparsamen,ausserdem aber sehr zeitraubenden Fabrikationsart keine Veranlassung mehrgegeben war; doch zeigt der hohe Preis, den die koischen Gewänder biszur Einführung der Seidenkultur nach Europa unter Justinian beibehaltenhaben, dass ihre Erlangung stets mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpftwar. Die eigentlichen Bombykien wurden dagegen nach wie vor in grösserenMengen fabriziert und erfreuten sich eines ausgedehnten Verbrauchs.
Der Anfang der Seidenverarbeitung auf dem römischen Boden kann indas IV. Jahrh. verlegt werden, nachdem die Seidengespiuste den Römernzugänglich wurden. Wenn mau aber anderen Angaben Glauben schenkenwill, so bestand bereits um die Mitte des I. Jahrh. eine als vicus Tuscusoder Tosco serica bezeichnete Ortschaft in Rom , wo die Seidenwirkerei be-trieben werden sollte 2 ), aller Wahrscheinlichkeit nach war dies jedoch eineAnsiedelung der Seidenhändler.
Wenngleich im Laufe der Zeit sich die Anzahl chinesischer Ausfuhr-artikel vergrössert und von den Rohmaterialien nicht nur die entschälten,sondern auch rohe Seidengespinste in die Handhabung abendländischer Fär-ber und Weber gelangen, so bleibt doch die Bezugsquelle für solche stets eineund dieselbe: weit hinaus in das Mittelalter, als die abendländischen Seiden-manufakturen bereits in hoher Blüte standen, behauptete China das Monopolin der Seidenproduktion. Die Beziehungen mit dem weit entfernten Landesind aber auch nach der Einführung des unmittelbaren Verkehrs nichtwesentlich vereinfacht worden und der sonst infolge der langwierigen undgefahrvollen Reise unbequeme Seidenhandel war durch die damit verbundenenUnkosten nicht Jedermanns Sache. Stellen wir uns die damalige Ver-kehrsweise abendländischer Kaufleute vor, wie diese nach Zurücklegung einigertausend Meilen bei tropischer Hitze und unter Lebensgefahr durch die
*) Marquardt, Röm. Privataltert. II. 103 ff.Propert. I. 2, II. 1.
Persiue, V. 135.
2 ) Martial. üb. XI. epig. 27. 11.
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