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Erster Band.
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Anfänge der Seidenverarbeitung.

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standen. Über den Zeitpunkt seiner Entstehung können nur Vermutungenausgesprochen werden, sehr wahrscheinlich ist es jedoch, dass es dahin durchdie Phönizier oder vielmehr durch die Karier während der grossen Völker-wanderung vom aramäischen Hochland um die Jahre 2000—1500 v. Chr.verpflanzt worden ist. Ebenso wäre es nicht unmöglich, dass die alseinheimisch erkannte wilde Varietät Botnbyx (Pachvposa) Otus von demassyrischen Maulbeerspinner herstammt. Laut Movers 1 ) stand die Fabri-kation der Bombykien auf der Insel Cos im Zusammenhang mit dem da-selbst verehrten phönizisch-assyrischen Herakles, dem die Mythe ein ausdurchsichtiger Bombykia gefertigtes Kleid beilegte, und den sie sonst inmehrfacher Weise mit der Färbung der Gewänder zusammen brachte. Dieersten Nachrichten über die koisclie Seidenindustrie giebt uns Aristoteles ,dessen Angaben von Plinius wiederholt und vervollständigt werden 2 ); sieberichten, dass das Rohmaterial zu Fäden abgewickelt wurde, um zu feinenGeweben verarbeitet zu werden. In sprachlicher Hinsicht besteht unter denGelehrten noch insofern eine Unsicherheit, als man nicht weiss, ob dasbesagte Rohmaterial Kokons oder fertige serische Gewebe waren, die manwüeder in einzelne Fäden auftrennte. Während Heeren 3 ) und Yates 4 )sich für das Abhaspeln der Kokons erklärt haben, tritt Semper 5 ), der sichdafür auf andere Quellen stützt 6 ), für das Auftrennen von Geweben ein.Meiner Ansicht nach ist die letztere Auffassung die richtigere, denn manbesitzt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Verfahren des regelrechtenKokonhaspelns vor dem VI. Jahrh. n. Chr. bekannt wäre. Vielmehr geschahdie Gewinnung der Faser durch Verzupfen der Kokons zu Watte und Ver-spinnen der letzteren am Spinnrade. Die koischen Seidenstoffe, sogenannteCoae vestes, waren von äusserst feiner Textur, beinahe durchsichtig, wasbei den sittenstrengen Kritikern jener Zeit nicht wenig Anstoss erregte;sehr oft wurden sie mit Purpur oder Scharlach 7 ) gefärbt und mit Golddurchwirkt 8 ). Ebenso fein und durchscheinend waren die Bombykien (bom-bycinae vestes), was jedoch nicht ausschliesst, dass sie in anderer Weise,und zwar aus der einheimischen Seidenart, hergestellt wurden. Es scheintnämlich, dass die Bezeichnung Coa vestis sich auf eine bestimmte Artderjenigen Gewebe bezogen hat, die aus den serischen Halbseidenstoflfendurch Trennung der Seide von der Baumwolle und nochmaliges Verweben

') Phönizier II. 3., S. 266.s ) Aristot. Hist. anim. V. 17. 6.

Plin. XI. 26. 76.

s ) Ideen über die Politik etc. I. 1., S. 111.

*) Testr. antiquorum. S. 163 ff.

Der Stil in teclin. und tekt. Künsten, I. 149.

6 ) Lucan. Phars. X.

7 ) Propert. II. 1, 5.

8 ) Horat. Od. Carm. IV. 13, 13.

Tibull. II. 3, 53.