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Die Technik der Seidenornamentik.
Aus dem eingehenderen Studium der Ornamentik ägyptischer Textilfundegeht, wie beiläufig vorausbemerkt werden mag, auch unzweifelhaft hervor,dass nicht nur die spätassanidische, sondern auch die arabische Gewebe-musterung von der hellenisch-spätrömischen Antike abzuleiten sei*) und dassder durch die Entwickelung der Seidenwebekunst hervorgerufene Stilwechselbereits vor der Konsolidierung der arabischen Weltmacht wenigstens inallem wesentlichen angebahnt, wo nicht vollzogen war.
Es ist als sicher anzunehmen, dass sich in der Zeit vom IV. bis VIII.Jahrh. jener Umschwung in der Geschichte der Textilkunst vollzogen hat,der, wie Riegl bezüglich der taurischen, aus dem III. bis V. Jahrh.vorchristlicher Ara stammenden Funde dargethan hat * 2 ), vom Wirkereistildes Altertums zum Seidenstil geführt hat. Die Kunstweberei abrate ur-sprünglich unwillkürlich die eingeführte Handhabung der Wirkereitechniknach und erzeugte Effekte, die eher an eine mit der Nadel als mit dem Weber-schiffchen erfolgte ßindungsart erinnert. Dass man bei der Herstellungder Musterung in Geweben über die Taffetbindung hiuausschritt, ist leichtbegreiflich, doch ging man später nach einigen Versuchen mit anfänglichunregelmässigem Atlas zu der Köperbindung über, der auch die Rolle zu-fiel, bis weit in die gotische Zeit eine dominierende Stellung zu behaupten.Es ist hervorzuheben, dass die Ornamentik der ältesten Seidenstoffe kein An-zeichen des ostasiatischen Einflusses zeigt und einen streng individuellen Cha-rakter trägt; es ist also sicher, dass durch das gesamte römische Reich vonSpanien bis Mesopotamien zur Zeit des Untergangs des weströmischen Reichesund drüber hinaus bis ins VII. Jahrh., ein einheitliches System der Textil-ornamentik verbreitet war 3 ).
Vielfach wird die Frage erörtert, aus welchem Grunde sich insbesondere dieKunstweberei der Seide bemächtigt hatte, während die Wirkerei die Erzielungkomplizierter Musterungseffekte in weit einfacherer Weise gestattete. Trotz derauftretenden Schwierigkeiten in der Behandlung des neuen Textilmaterialswar man stets und überall bestrebt, die Wirkerei mit der Weberei zu ver-tauschen. Die Beantwortung dieser Frage ist ziemlich einfach. DieWirkung eines Seidengewebes ist bekanntlich um so prägnanter, je gleich-mässiger und voller die Fäden nebeneinander liegen, je einheitlicher siedas auffallende Licht zur Ausstrahlung zu bringen vermögen; die Er-zeugung solcher Flächengebilde war aber schlechterdings mit der Wirkereinicht gut zu erreichen. Bezüglich der Frage, in welchem Teile der aus-gedehnten byzantinisch-westasiatischen Kulturwelt der oben geschilderteÜbergang von der Wirkerei zur Seidenkunstweberei sich vollzogen hat,war mau geneigt, das neupersische Sassanidenreich als die Wiege der ausser-