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Erster Band.
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Seidenkultur in Westasien.

Seidenkultur nach dem abendländischen Asien , wo sie, durch geeignetesKlima und ausgedehnte Maulbeerwälder begünstigt, zur Blüte kam. Wieschon erwähnt , besass Persien (gebirgige Umgegend des Kaspischen Meeres )einheimische gelbe Seidenarteu. Im VII. Jahrh. wurde die chinesische Methode der Seidengewinnung auch auf diese bisher nur in primitiverWeise verarbeiteten Kokons ausgedehnt, und seit jener Zeit erscheint auchdie persische gelbe Rohseide, wie von Theophilaktes angegeben wird,im allgemeinen Handelsverkehr. Das nördliche Persien erwies sich für dieSeidenzucht vorzüglich geeignet. Der alten Handelsstrasse von der Buchareinach Persien folgend, hatte sich die Seidenkultur in Merw eingebürgert, auswelchem die Bewohner anderer persischer Ortschaften die durch ihre Güteberühmt gewordenen Raupeneier bezogen. Von da verbreitete sie sichunter dem sarazenischen Einflüsse nach den reichen, das Kaspische Meerumgebenden Gegenden, wie Tabaristan , Kirmän, Dschordschau und Djebal.Die Geographen Istakri und Ibn-Haukal beschreiben uns diese GegendenPersiens und Syriens , wo die Seidenzucht vortrefflich gedieh. Dschordschanführte nach den benachbarten Seidenziichtereieu Raupeneier aus, Tabaristan war nach der Aussage Ibn-Haukals das produktiousfähigste Land desErdballs. Amul Berddha’a und Asterabad waren die wichtigsten Märktefür Rohseide, die Bewohner der letzteren Stadt galten ausserdem für sehrgeschickte Verarbeiter der Flockseide').

Die Unterjochung persischer Provinzen, wo ausser der Seidenzuchtauch überall die Seidenmanufakturen rege Thätigkeit entwickelten, brachtedie Araber mit einem Schlag in den Besitz von Webereien, nach derenglänzenden Erzeugnissen sich die schon damals der einfachen, patriarcha-lischen Lebensweise entwöhnten Wüstensöhne gesehnt hatten. Die Araberbegünstigten die persische Industrie durch regen Seidenhandel und Be-freiung der Seidenzüchter von jeglichen Abgaben, so dass sich ihre Thätig-keit auf politisch-geographischem Gebiete auch dahin geäussert hat, dassdie Hauptstätte der Seidenverarbeitnng von Syrien nach Mesopotamien (Bagdad) und Persien verlegt worden ist. Seit dem IX. Jahrh. tritt sowohlpersische wie syrische einfache und gezwirnte Rohseide in solchem Überflussauf den Seidenmärkten auf, dass sie mit der chinesischen in Konkurrenzeintritt. Die persische Seidenweberei, welche nunmehr gänzlich unter demarabischen Einfluss steht, produziert die weltberühmt werdenden Atlas- undSammetgewebe. Die Manufakturen von Chüzistäu und Fars, welche schonunter den Sarazenen kraftvolle Entwickelung genommen haben, dann Tusterund Süs bewahren auch fernerhin den Ruhm der besten Atlas- und Sammet-fabrikation. Damaskus erzeugt die stilvoll gemusterten Seidenstoffe seinesNamens, Antiochien die prachtvollen glatten und moirierten Gewebe undGoldbrokate *). Mit den berühmten süsischen Fabrikaten dürfen indessen

’) Mukkadasi, Geogr. S. 358.2 ) Edrial, Vol. II, S. 181.