Band 
Erster Band.
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Handelsstrassen Russlands .

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unmittelbaren Verkehr Europas mit der Levante absclmitten und derasiatisch-europäische Seidenhaudel über Konstantinopel, Donau und Russ-land , oder mit Umgehung von Byzanz in gerader Linie vom KaspischenMeere über Kiew und Nowgorod nach der Ostsee geführt wurde. Dieserletztere Haudelsweg bestand bis zum XI. Jahrh., und dass er von nicht ge-ringer Bedeutung war, bezeugt die grosse Menge der immer neu auf-tauchenden Funde arabischer Münzen aus dem VIII.—XL Jahrh. Durchdie Existenz dieser Handelsstrasse wird ferner die Thatsaehe erklärlich,dass der arabische Reisende Ibn-Foszlar bei den Slaven um das Jahr900 mitten in den barbarischsten Zuständen Goldbrokate (Dybäg) an-geblich griechischer 1 ), wahrscheinlicher aber syrischer Herkunft vorfindenkonnte, obwohl wir wissen, dass die Ausfuhr der kostbareren Seidengewebeaus Byzanz nach dem Norden zu jener Zeit untersagt war. Vermittelstdesselben Handelswegs gelangte die Seide zu den Litauern, Poleu, Ostpreus-sen, Finnen und Skandinaviern, welche Völker mit den Einwohnern Nord-westrusslands, dem Gardarikenstamm, sehr frühzeitig Tauschverkehr ange-knüpft hatten. Die natürlichsten und daher ältesten Handelswege deswestlichen Russlands nach dem Süden waren die Flüsse Dniepr (seit demIX. Jahrh. in gesichertem, regelmässigem Verkehr), ferner Dniestr, dernamentlich seit Swätoslaw (X. Jahrh.) als Verbindung mit den Douaustädtengrosse Bedeutung erlangt hat, und schliesslich, aber erst in späterer Zeit(XIII. Jahrh.) der Don, au dessen Mündung die Handelsstadt Tana (jetztAzor) und weiter in der Krim Soldaia (Sudak ) namentlich für den Transit-verkehr von erster Bedeutung waren. Trotzdem die geschichtlich verbürgtenAngaben das Aufkommen des Seidenhandels in das IX. Jahrh. verlegen,so glaube ich die Vermutung aussprecheu zu dürfen, dass Kiew bereitsim VI., spätestens VII. Jahrh. ein Stapelplatz für orientalische und byzan-tinische Gewebe war, welch letztere allerdings nur durch Raub undSchmuggel dorthin gelangen mochten. Einen erheblichen Aufschwung er-hielt der Seidenhandel, als der Grossfürst Oleg im Vertrag von Konstan-tinopel (944) den Russen freien Haudelszutritt erzwungen hatte. DieSeideuzeuge kamen nun massenhaft auf die Märkte von Nowgorod undKiew ; am meisten in Gebrauch waren sogenannte Pawoloki in verschie-denen Farben, auch in Purpur 8 ), die sogar als Werteinheit beim Sklaven-handel gedient haben; ferner Kamka, ein persisches (Aleppo ) oder grie-chisches Damastgewebe, dann gold- und silberdurcliwirkte Sammete, schliess-lich— für den kirchlichen Gebrauch—Atlasse, Taffete und Doppeltaffete.Man besitzt noch aus dem Jahre 1108 eine aus buntgewirktem blauenSeidenzeug gefertigte Kopfbedeckung des Erzbischofs Nikita. Nicht selten

*) Frähn, Ibn Foszlars und anderer Amben Berichte über die Russen älterer^eit. St. Petersburg . S. 13.

2 ) Aristow, Fromy8zlennost’ drewniej Russi. (Die Industrie Russlands im Alter-tum.) S. 154.