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Handelsverkehr mit den Russen.
kamen aus Byzauz sehr bedeutende Transporte kostbarer Seidengewebean den grossfürstlicb russischen Hof; so schickte Manuel I. dem Rostis-law im Jahre 1164 eine Menge Sammete und Pawoloki. Die fürstlichenHöfe und Edelleute (Bojaren) Hessen sich wie ihre byzantinischen Vor-bilder den üppigsten Gebrauch der Seidengewänder angelegen sein, und derhierin getriebene Aufwand setzte sogar die Gesandten Heinrichs IV.(1075) in nicht geringes Erstaunen. Wiewohl von der Kirche, dem Staatund den Bojaren sehr beträchtliche Mengen Seidenstoffe verbraucht wurden,so blieb doch noch ein guter Teil für den auswärtigen Handel übrig. DieBedeutung des russischen Seidenhandels in der Zeitperiode vom IX. Jahrh.bis zum Aufschwung der venetianischen Handelsmacht ist bisher nochnicht genügend gewürdigt worden. Zur Zeit, wo die HandelsrepublikenItaliens mit Syrien keinen direkten Verkehr betreiben konnten, war dieHandelsstrasse aus dem Orient nach Italien über Astrachan und Tana vongrosser Bedeutung; eine andere für die Völker an der Ostsee und Skan-dinavien wichtige Verbindung mit Asien war die Haudelsroute über Now-gorod und Pskow . Die Blütezeit dieses Verkehrs war die Periode vomXI. bis zum Schluss des XIV. Jahrh.; erst nach der Zerstörung von Astrachan durch Tamerlan (1395) wurde von den Venetianern der Weg nach Indien über Ägypten und Syrien angebahnt.
Von nicht geringerer Wichtigkeit war der Seidenverkehr über Nowgorod .Schon zur Zeit von Swätoslaw und Wladimir kamen skandinavische Kauf-leute nach Nowgorod , um sich mit Seidenzeugen zu versehen. Im XII.Jahrh. (1158) knüpften die Bremer Seidenhändler Verbindung mit Pskow und daun mit Nowgorod an. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bereitsim Jahre 1060 eine Ansiedelung deutscher Kanfleute in Nowgorod bestandenhat, die schon eine eigene Kirche besassen *). Die Vermittlerrolle russischerHandelsstädte zwischen dem extremen Orient und Westeuropa erreichtwährend der genuesisch-venetianischen Fehden im XIII. Jahrh. ihren Höhe-punkt; während jedoch die Bedeutung der südlichen Städte mit der end-giltigen Befestigung der venetianischen Herrschaft und der Invasion derMongolen zu Ende war, bleibt Nowgorod unter dem Schutze der mächtigenHansa in seiner kommerziellen Wichtigkeit fortbestehen.
Über die Anfänge des Seidengewerbes bei den mittelalterlichen Slaveulassen sich genaue Daten nicht aufstellen; nur ist es sicher, dass die Sei-denwirkerei und -Stickerei, namentlich aber die Goldstickerei auf Seide, imZeitraum zwischen dem X. und XII. Jahrh. Eingang gefunden haben, uuddass sie sich bald zu einer beliebten Hausindustrie entwickelte, die sowohl alsKleingewerbe wie in den Nonnenklöstern, hauptsächlich zu kirchlichen Zwecken,betrieben wurde. Auch in Privathäusern, namentlich den Teremen (Frauen-räumen), wurde die Seidenweberei, vermutlich auch -Wirkerei, mit vielem
') Behrmann, Die Skra van Nougarden. Copenh. 1828. S. 93.