Mittelalterliches Goldgespinst.
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indessen macht sich selbst heute noch eine ziemliche Verworrenheit in derbetreffenden Terminologie bemerkbar. So weit unsere Kenntnisse reichen,bestand in der ersten Fabrikationsepoche, bei Griechen, Römern, Byzan-tinern bis zur Mitte des XI. Jahrh., der hei allen Kulturvölkern gebräuch-liche Goldfaden aus einem Leinen- oder Seidenfaden von starker Drehung,der mit einem echten Goldlamell in einer Breite von 0,2 — 0,75 mm um-sponnen war. In der zweiten Epoche von der Mitte des XI. Jahrh. bis zuden Tagen der italienischen Renaissance (Mitte des XIV. Jahrh.) tritt ausdem Orient, zunächst von der Insel Cypern herrührend, ein neues,billigeres Goldgespinst auf, dessen innerer Kern aus gezwirntem Leinen-oder Seidenfaden besteht, um welchen ein stark vergoldetes Darmhäutchenin der Breite von 0,3—2,0 mm ziemlich unregelmässig gesponnen ist. Inder dritten Periode, die, hervorgerufen durch das Aufblühen der nord-italienischen Seidenindustrie, ihren Ursprung in Italien nahm und sich vonden Tagen Dantes bis in die neueste Zeit erstreckt, setzt sich der Gold-faden aus einer Seele in Form eines goldgelben Seidenfadens zusammen, umwelch letzteren ein mehr oder weniger vergoldeter feiner Silberdraht ge-sponnen ist. Nach Entdeckung des neuen Seeweges nach Indien undChina kam ein, aus einem platten vergoldeten Papierstreifen gebildeterEinschlagsfaden vorübergehend in Mode. Im merovingischen Europa warausserdem eine Art feiner, dem Muster entsprechend geschnittener Goldblätt-chen, die, sei es durch Randstickerei, sei es vermittelst des heissen Eisensoder des „Ausschlagens“ an das Gewebe befestigt wurden, vielfach in Ge-brauch — ein Verfahren byzantinischen Ursprungs. Schmale Goldblätt-chen unter den Einschlag des Gewebes meliert, wie solche im Seiden-stoff an den Gebeinen Karls des Grossen in Aix-la-Chapelle zu findensind, kamen in besonders kostbaren Geweben vor. Unter den uns über-kommenen Seidentextilien trifft man auch eine Art der Goldarbeit, diezwar in ein anderes Gebiet gehört, doch der Vollständigkeit halber hiernicht unerwähnt bleiben darf. Es ist dies das gezogene Gold in Form feinerDrähte, zuweilen irrtümlich als cyprisches Gold, „aurum cyprium“, be-zeichnet 1 ), dessen Industrie im mittelalterlichen Italien, besonders in Lucca (XIV. Jahrh.), Genua (XV. Jahrh.), dann Mailand und Florenz (XVI.Jahrh.) in Blüte stand. Die aus gezogenen Metalldrähten oder damit über-zogenen Fäden aus Seide etc. bestehenden Gespinste trugen nach der StadtLeon in Spanien , wo sie zuerst in Aufnahme gekommen sind, den Namenleonischer Fäden; ihre Fabrikation ist nach Deutschland (Nürnberg ) 1570v °n Fournier übertragen worden. Als leonische Gespinste werden aber vonEinigen irrtümlicherweise auch andere Goldfadenarten bezeichnet, von denengleich weiter unten die Rede sein wird. — Die Mailänder Fäden, die sich