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Erster Band.
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Membranvergoldung.

im XVI. Jahrh. eines ebensolchen Rufes erfreuten, wie die leonisclien,bestanden aus bloss vergoldetem Silberdraht, welchem sich in der zweitenHälfte dieses Jahrhunderts der Lyoner Goldfaden, bestehend aus einemnach Mailänder Art durch „Schlagen“ vergoldeten Seidenfaden an die Seitestellte. Diese letztere Bereitungsart ist schon frühzeitig bekannt gewesen,wie uns eine Schilderung des Goldspinnens in den Gynäceen von PontiusLeontius bei Sidonius Appolinarius vorführt. Der Lösung der Frage:nach welcher Methode die mittelalterlichen Fäden hergestellt wurden — obdurch unmittelbare Applizierung des weichgemachten Goldes, oder ob durchdas Verfahren der Schlagarbeit (or battu), und zwar im letzteren Falle wie-der, ob auf kaltem Wege unter Anwendung von Chlorgoldzunder oder durchAmalgamierung — vermag ich für meine Person nicht näher zu treten.

Der bei weitem grösste Teil mittelalterlicher Seidengewebe zeigt dieoben zuerst erwähnte Goldfadenart, die zweifelsohne chinesischen Ursprungswar. Diese Goldfäden bestehen aus einem Seiden-, Leinen- oder Hanf-faden, der mit einem schmalen mit.Blattgold überzogenen Pergamentpapier-streifen oder tierischen Häutchen übersponuen wurde; in den Goldfäden chi-nesischer Herkunft trat als Grundfaden ausschliesslich nur die Seide auf. Zuwelcher Zeitepoche die Perser und Araber die Membranvergoldung von denChiuesen übernommen haben, ist nicht bekannt; mau findet sie aber schonin Geweben, die sicher vor dem X. Jahrh. angefertigt worden sind. In derPeriode vom XI. bis zu Ende des XIII. Jahrh. ist der Gebrauch dieser Ge-spinste ein so allgemeiner, dass sie fast in allen byzantinischen, arabischen,sicilianischen, lucchesischen und spanischen Seidengeweben jener Zeitepocheanzutreffen sind. Die in Wien aufbewabrten Krönungsgewänder der deut-schen Kaiser, welche in Palermo fabriziert worden sind (1133), enthaltendavon prachtvolle Muster. Seit dem XIV. Jahrh., als die gezogenen Metall-drähte stark in Aufnahme gekommen waren, zog sich das Gewerbe dercyprischen Gespinste nach Deutschland zurück. Die Körperschaft „Fabricescapparum et clipeorum colonienses“ nahm sich desselben mit solchem Eiferan, dass die Erzeugnisse rheinischer Seidenweber und -sticker jener Zeit-epoche kaum andere Goldfäden enthalten. Zu Beginn des XVI. Jahrh.erlischt in Europa ihre Verwendung und dadurch auch die Fabrikation, umerst in neuerer Zeit ihrer Biegsamkeit und Dauerhaftigkeit, sowie ihres ange-nehmen, matten Glanzes halber, wieder mit Erfolg aufgenommen zu werden.Noch vor Jahren war man eifrig bemüht, das Fabrikationsgeheimnis cypri-scher oder irakanischer Fäden, das sogenannte „mysterium auri filati“ zuergründen, jedoch vergeblich; erst 1882 gelangten die Münchner ProfessorenW. v. Miller und Harz zu dem Ergebnis, dass bei den cyprischen Gold-fäden eine tierische Membrane die Unterlage des Goldes bildete. DiesesHäutchen, das in seinem anatomischen Bau als Peritoneum oder ähnlicheMembrane bezeichnet werden konnte, erwies sich nach einiger Zeit als dieSubmucosa der tierischen Därme. Die Vergoldung ergab sich als eineBlattvergoldung und zwar in der Art, dass man Gold auf Silber im