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spricht das Luccheser Statut vom Jahre 1308*) nur von Weberinnen undHasplerinnen; im älteren Züricher Seidengewerbe sind urkundlich vom XIII.bis XV. Jahrh. nur Frauen und Mädchen verwendet worden 2 ), in Paris istim XIII. Jahrh. nur von Seidenzwirnerinnen die Rede, und die Zunft der„ouvrieres de tissuz de soie“ ist älter, als die der „ouvriers de drap desoie“ 8 ); in England ist das gleiche der Fall 4 ). Diese Erscheinung findetihre Erklärung darin, dass die Ausübung des Seidengewerbes als eine zwarkörperlich wenig anstrengende, aber dennoch geschickte und leichte Händeerfordernde Arbeit, seit jeher fast ausschliesslich eine Obliegenheit der Frauenbildete. Als nun im Laufe der Zeit der Übergang der Hausindustrie zumregelmässig betriebenen, geschäftlichen Gewerbe stattfand, waren die Unter-nehmer zunächst lediglich auf weibliche werkverständige Arbeiter angewiesen.Erst im XIV. und XV. Jahrh. gewinnt die männliche Arbeit allmählichdie Oberhand, als der hohe Aufschwung der Hautelisseweberei eine besonderssachverständige und künstlerische Behandlung erforderte und an die Selb-ständigkeit des Webers die grössten Ansprüche gestellt werden mussten.In den Zubereitungsgewerben behielt dagegen die Frauenarbeit ihre Geltungbis auf unsere Zeit. Wir werden übrigens auf die Stellung der Frau inder modernen Seidenindustrie noch später kurz zurückkommen.
Trotz der mächtigen Entwickelung abendländischer Seidenweberei spielendie überseeischen Seidengewebe noch eine ziemlich bedeutende Rolle, und esdürfte wohl am Platze sein, einen Blick auf den. derzeitigen Seidenverkehr imweiteren Orient zu werfen. China verblieb immer noch auf der alten Höheder massenhaften Produktion, die jedoch seit dem XII. Jahrh. zum grösstenTeil im Lande selbst aufgebraucht wird. Der Schwerpunkt des chinesischenSeidenhandels, der wohl ausschliesslich auf fertige Gewebe beschränkt,aber immerhin bedeutend war, ist nach dem Norden übertragen worden, wodie Stadt Kanbaligh zum Stapelplatz wurde. Der berühmte italienische ReisendeMarco Polo (Ende des XIII. Jahrh.) veranschlagt in seinen Berichten dasQuantum der Seide, welches täglich zu den Thoren Ivaubalighs eingeführtWurde, auf tausend Karrenladuugen.
Seit diesem Zeitpunkte (Ende des XIII. Jahrh.) übernimmt Indien Chi-nas Vermittlerrolle mit dem Abendlande in einer so vollständigen Weise,dass man die Reise nach China füglich unterlassen konnte, da Seide undalle anderen chinesischen Produkte in Indien in Hülle und Fülle zu habenWaren. Die Blütezeit der mongolischen Dynastie in China (Ende XIII. undAnfang XIV. Jahrh.) war eine Periode des regsten kommerziellen Verkehrszwischen China und Vorderindien 5 ); zu dieser Zeit ist wahrscheinlich auch
*) Arch. storico ital. X. 58 ff.
*) Bürkli-Meyer, Die Gesch. der Seidenindustrie in der Schweiz , S. 15.
*) Depping, Reglements des arts et mdtiers de Paris rddigös au XIIl e - siede.Paria 1837.
4 ) Statutes of the Realin, II, 874.
6 ) Heyd, Geschichte des Levantehandels.