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Standes. Die Entdeckung Amerikas und die Reichtiimer, welche Spanien von dorther erwuchsen, zogen aber eine fast gänzliche Vernachlässigung dereinheimischen, seinerzeit von Arabern geschaffenen und grossgezogenenIndustrie nach sich, und die Folge davon war auch der Verfall der Seiden-webekunst und der einst so blühenden Seidenkultur. Als schliesslichKarl V. , entgegen den wirtschaftlichen Mafsnahmen aller anderen Staaten,die Ausfuhr der spanischen Rohseide und die Einfuhr ausländischer Erzeug-nisse freigah, konnte sie infolge des massenhaften Imports nicht mehr be-stehen und kam bald (Anfang des XVII. Jahrh.) gänzlich in Verfall. Erstunter den bourbonischen Herrschern, die nach französischem Vorbild zuder‘alten Schutzpolitik zurückgekehrt waren und streng merkantilischeMafsregeln, u. a. ein strenges Verbot aller Rohseidenausfuhr, ergriffen,besserte sich der Zustand der spanischen Seidenindustrie von neuem. ZuAusgang des XVIII. Jahrh. tritt Valencia sogar mit der Lyoner Manufakturin einen Konkurrenzkampf 1 2 ).
In die Zeitepoche vom XII. bis XV. Jahrh. fällt die Hauptentwickelungdes deutschen Handels und der Manufaktur, die von Anöas Sylvlus 8 )(Pius II. ) in so beredter Weise geschildert wird. Die zur selben Zeit erfol-gende Aufhebung der Frauen- und Sklavenarbeit und Begründung des freienZunft- und Handwerkerwesens — welch letztere sociale Unabhängigkeit er-rangen — beförderte u. a. auch das unter den aufblühenden Städtegewerbeneinen der bedeutendsten Plätze einnehmende Seidengewerbe in hervorragenderWeise. Schon im XIV.Jahrh.begegnet man der Seidenwebekunst in den reichenHandelsstädten Augsburg, Ulm , welche schon seit Anfang des Mittelaltersmit Italien in Geschäftsverbindung standen, ferner Regensburg und Nürnberg ,wohin sie nach dem Fall von Lucca (1314) durch Uguccio Fageolanoeingeführt wurde 3 ) (und nicht, wie Einige haben wollen, aus Mailand , da dasletztere nach dem Zeugnis des Gal veano de la Flamma erst um das Jahr1341 4 ) Kunstweberei erhalten hat), und schliesslich in den wendischenStädten. In Augsburg bestand bereits eine freie Zunftvereinigung der Syde-näer oder Seidenwirker 5 * ). Unter Karl V. begünstigte der Zurückgang spa-nischer, des Vorwärtsstrebens entwöhnter. Industrie die deutsche Seiden-manufaktur in nicht geringem Mafse. Nürnberg zog 1573 italienischeSeidenfärber in seine Mauern. In Augsburg traten die Fugger, die aller-dings zunächst nur Leinenweber waren, bald auch an die Spitze des lukra-tiven Seidenhandels und der Seidenmanufaktur. Bodin (XVI. Jahrh.)rühmt die Kunst und den Gewerbefleiss deutscher Städte und sagt, dass sie
*) Pariset, Chambre de commerce de Lyon (1750). I. 57.
2 ) de’ Picolom. de mor. Germ. c. 29.
8 ) Nie. Tegrin. in Vita Castruccii. Muratori script. rer. Ital. XI. 1321.
4 ) Muratori script. rer. Ital. XI. 1037.
6 ) Paul v. Stetten, Gesch. Augsburgs, I. 213.
Galetti, Allgem. Weltgeschichte. Th. 56, p. 424.