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Erster Band.
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Itulienisch-französisch-flandrische Epoche der Ornamentik.

Fragen wir nach der Stilisierung der Gewebeornamentik der italienisch-französisch-flandrischen Epoche der Seidenwebekunst, so können hier einigePerioden unterschieden werden. Wie in jeder Übergangszeit, so machtensich auch in der jungen italienischen Weberei zuerst mehrere Richtungengeltend, bevor sie einen definitiven Charakter annahm. Die Kreuzzüge habenbei aller den Seidenhandel fördernden Kraft die üble Nachwirkung gehabt,dass die Webekunst trotz des sich regenden Geistes ihren orientalischenTypus nicht so rasch abstreifen konnte. Die Reisen nach dem Orient brachtendie morgenländischen Gewebe so in Mode, dass die abendländischen We-bereien gezwungen waren, dieselben als Vorbilder in der Ornamentik zu be-nutzen. Die Kirchenschätze von Danzig, Stralsund, Brandenburg, Halber-stadt, Braunschweig etc. besitzen zahlreiche Exemplare solcher Gewebe ausdem XIII. und XIV. Jahrh., meist orientalischer Herkunft, oder italienischeimitierte Kompositionen. Bis tief in das XIV. Jahrh. hinein macht sich dieVorliebe fiir sarazenische Tierornamentik und Symbolik geltend, und phanta-stische Tiergestalten wiederholen sich in tausendfältigen Formen und Modi-fikationen. Einen stark orientalischen Charakter trugen auch die im XIII.Jahrh. aufgenommenen gestreiften Gewebe. Ein Vergleich mit der vorigenEpoche zeigt indessen sowohl in der Bemusterung dieser Arabesken (in-einander verschlungene Tier- und Pflanzenmotive), wie in der Farbenkompo-sition und Technik des Gewebes grosse Fortschritte. Die Tierornamentikbeherrscht die ganze erste Hälfte dieser Kunstperiode, die sogenannte ro-manische, und setzt sich noch einige Zeit in die gotische fort. Da die ro-manische Stilrichtung (seit Beginn des XII. Jahrh.) aus römisch-christlichen,byzantinischen und mohammedanischen Elementen im germanischen Geisteaufgebaut worden ist, so wurde sie lange Zeit mit der rein byzantinischenverwechselt. Die Bemusterung ihrer ersten Erzeugnisse weist auf eine wenigglückliche Nachahmung antiker Kunst hin; den griechischen Palmettenähnlich sind die breiten romanischen Blätterformen, und sind der Mäander, dasAkanthusblatt u. s. w. in anderen Verzierungen leicht zu erkennen. DieOrnamentik nahm einen steifen und dabei willkürlichen Charakter an, derPhantasie war der freieste Spielraum gelassen, und fabelhafte Tier- undMenschengestalten, Drachen, Schlangen, Vögel etc. durchzogen alles Ranken-werk. Erst gegen Finde des XII. Jahrh. erhielt die romanische Ornamentikihre stilvolle Ausbildung, die auf eine selbständigere, genauere Natur-beobachtung gerichtet war. Das befolgte Prinzip bestand darin, dem Gewebenie durch malerische Schattierung des Ornaments den Charakter einer ebenenF’läche zu nehmen, und die Naturvorbilder aus dem Pflanzen- und Tierreichenicht in naturalistischer Nachahmung, sondern in freier künstlerischer Sti-lisierung zu verwenden. Man befolgte hier die glückliche Idee der Araber,die auch gegenwärtig wieder allgemein anerkannt wird. Ein prachtvollesWerk romanischer Webekunst ist die Dalmatik des Kaisers Heinrich II. imNationalmuseum zu München , deren breite Bordüren in sarazenischerWeisekleine und grössere Medaillons mit Greifen zieren. Erst in der Mitte des