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Erster Band.
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Gotik. Aufkommen der Koloristik.

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so das Eicheublatt mit oder ohne Eichel, Buchenlaub, Weinblatt, Klee,Epheu, Stechpalme, Rose, Distel, Oichorie, Geranium, Veilchen, Malve, Ra-nunkel, Mohn, Erdbeere u. s. w. Erst in der Spätzeit der gotischen Stil-periode traten antikisierende Elemente im Blattwerk auf, die ihren Ver-fall kennzeichneten. Der konventionell-phantastische Stempel der romanischenKunstrichtung ist entschwunden und der treuen Nachahmung der Natur-motive gewichen. DasfigürlicheElement in Formeinzelner Gestalten oderganzer Scenen tritt jetztüberwiegend hervor. ImXV.Jahrh.endlich schwin-det die treibende Kraft,welche die Werke derBlütezeit durchzog, mehrund mehr, und an Stelleernster und stil voller Kom-bination treten Willkür,Erstarrung und trockenerSchematismus auf.

Die gewaltigen Fort-schritte der Kultur infolgeder Reformation, sowieGutenbergs Erfindung unddes dadurch gewecktenGeisteslebens, der Ent-deckung Amerikas unddes dadurch hervorgerufe-nenWohlstandes zeitigteneine Umwälzung auch aufdem Gebiete der allge-meinen und speciell der

Textilornamentik, die in stark realistischer, kraftstrotzender Färbung imGegensätze zu jenem mysteriös-religiösen Zug, welcher die gesamte mittel-alterliche Kunst und namentlich die Werke der Gotik kennzeichnete, zumAusdruck kam. In durchaus prägnanter Weise äusserte sich der Ein-fluss des neu erwachenden Lebens ebenfalls in der Wahl und Zusammen-stellung der Farben, wozu auch die technischen Fortschritte der Färbereibeigetragen haben mögen. Mit matten, gebrochenen Farben ist keine Prachtzu erzielen, sagt mit Recht Jacob Falke 1 ), aber auch lebhafte und kräf-tige Farben vermögen nicht den imposant erhebenden Eindruck hervorzu-rufen, wenn sie in zu kleinen Teilen räumlich durcheinander gemengt sind.

Fig. 9. Granatapfelmusterung aus dem XVI. Jahrh. Original zuKrefeld .

M Geschichte des modernen Geschmacks. Leipzig 1866, S. 33.