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Erster Band.
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Seidengewerbe in deutschen Landen.

übrig blieb, war nicht lebensfähig genug, um sich von neuem aufzurichten.Als sich in deutschen Landen die Anschauung zu verbreiten anfing, essei Aufgabe des Staates, die Industrie zu uuterstützen, fand der Na-tionalökonom Becher, in dessen Plänen die Seidenkultur und -industrieeine bedeutende Rolle spielten, Anklang bei dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz; die guten Pläne scheiterten jedoch an den unglücklichenKriegsereignissen. Auch der Kurfürst Johann Philipp von Mainz betriebbei Wiirzburg mit Erfolg die Seidenzucht. Alsdann rief Becher in Wien und München Seidenmanufakturcompagnien ins Leben, die anfänglich zwargut gediehen, bald jedoch infolge der mangelhaften Subsistenzmittel ein-gingen. In Sachsen hatte dagegen das Seideugewerbe festen Euss gefasst,wie beispielsweise in Langensalza, und der Hauptmarkt zu Leipzig besassschon allein deshalb Lebensfähigkeit, weil man damals die französischen Fa-brikate aus politischen Gründen sorgfältig mied. Zu Beginn des XVIII. Jahrh.wurde auch in Leipzig von Apel und Böttcher die erste grosse Seiden-manufaktur errichtet.

Neben der sächsischen und hamburgiscben Industrie arbeiteten sich diewürttembergisehe, die hessische in Hanau und die pfälzische Industrie em-por und erfuhren durch die Ansiedelung französischer Auswanderer (derHugenotten und Waldenser) kräftigen Zuwachs.

Die Anfänge der Hamburger Seidenmanufaktur reichen an das Endedes XVI. Jahrh., wo niederländische Reformierte die Sammet- und Taf-fetfabrikation nach der charakteristischen Antwerpener Art eingerichtethaben. Der dreissigjährige Krieg, der das übrige Deutschland in wirt-schaftlicher Entwickelung um ein Jahrhundert zurückwarf, berührte dieHamburger Industrie nicht oder kam ihr vielmehr zu gute, weil geradeinfolge des Krieges die Ausfuhr nach den übrigen deutschen Länderneinen bedeutenden Aufschwung erhielt; in das Ende des XVII. und dieerste Hälfte des XVIII. Jahrh. fällt die Zeit ihrer höchsten Blüte.

In Österreich hatte Becher in Wien , wohin er in Sachen der bayeri-schen Compagnie gekommen war, die Gründung einer österreichischen Sei-dencompagnie übernommen, was man ihm indessen in Bayern sehr ver-übelte, so dass man sich sogar dazu hinreissen liess, seine Bandmühle zu zer-stören. Becher blieb in Österreich und errichtete (1666) in Walpersdorf die erste „seydene Fabrica und Manufactur“. In dem sogenannten Manu-fakturenhaus auf dem Tabor iu Wien , das 1676 angelegt wurde, bestandauch eine Abteilung für Seidenmanufaktur, zwei Baudmiihlen für „purenSeidenbandt“ und eine für „Floretgladtbandt“; das Haus ist bei der zweitenBelagerung Wiens (1683) niedergebrannt und ist seitdem jede Spur vonihm verloren gegangen.

In Preussen hatten die Hohenzollern mit richtigem Scharfblick die Bedeu-tung der Seidenindustrie für den Staat und die demselben hieraus erwachsendenpekuniären Vorteile erkannt; ihre Einführung wurde als eine handelspolitischePflicht erachtet, der sich der fortschreitende Staat nicht entziehen durfte. Durch