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Unternehmen scheiterte indessen aus finanziellen Gründen, da die privateInitiative dabei in thunlichster Weise eingeschränkt wurde. Der Regierungs-antritt Karl Theodors brachte keine Besserung, die verheerenden Kriegetrugen vielmehr dazu bei, das unrühmliche Ende der bayerischen Seiden-zucht zu beschleunigen. Es wurden zu dieser Zeit über 600000 StückMaulbeerbäume gepflanzt, aus denen nur ein klägliches Quantum Rohseidehervorging. Zu gleicher Zeit rief das Misslingen der Seidenernte in derPfalz den Unwillen der Bevölkerung gegen die Seidenkultur hervor, so dass inder Erbitterung sämtliche Maulbeerbäume zerstört wurden. Eine neue Periodebegann für Bayern 1823—1834 unter der Regierung des Königs Maximi-lian I. und baute sich unter König Ludwig I. weiter aus. Eine Reihe vonStaatsmännern, u. a. von Hazzi, nahmen sich der Seidenzucht eifrig an,Gesellschaften für weitere Kreise (Seidenbauvereine) wurden gegründetund Prämien ansgesetzt. Die Beteiligung war eine äusserst lebhafte. ImJahre 1832 sollen in Bayern über 4 Millionen Maulbeerbäume gestandenhaben, indessen entsprachen die pekuniären Resultate des Unternehmensnicht allen Ansprüchen, so dass der Eifer bald beträchtlich nachliess; 1838waren nur noch 400000 Bäume vorhanden. 1843 wurde in Regensburg eine Seideniuspektion unter dem um die Sache wohlverdienten PremierZiegler errichtet; ferner wurden Pflanzungen und unter AktienbeteiligungRaupenzüchtereien angelegt. Trotz der interessanten Vorträge und Bro-schüren war das allgemeine Interesse nach den gemachten Erfahrungen nurnoch ein sehr schwaches; 1844 standen noch 24674 Bäume, 1845 nur 8006 imganzen Königreiche 1 ). Ebensowenig vermochte der 1847 ins Leben ge-rufene mit grösstem Eifer betriebene „Frauen-Verein für Seidenzucht“ diesesGewerbe aufzurichten; mit wechselndem Erfolge bestand der Verein 10 Jahrelang, die Produktion sank inzwischen, von 5 1 / 2 Centnern Kokons im An-fangsjahre, nach und nach auf ein Minimum und erlosch in den allgemeinenUrankheitsjahreu der Seidenraupe (1856—1860) gänzlich. Der Hauptgrunddes Misslingens der Seidenzucht in Bayern, sowie überhaupt in ganz Deutsch-land , liegt in einem zu grossen Wohlstand der ländlichen Bevölkerung einer-seits, dem zu kleinen Ertrag und zu grosser Mühe des Seidenbaues andererseits;ausserdem auch in den ungünstigen Klima- und Bodenverhältnissen, da derMaulbeerbaum 10—20 Jahre alt sein muss, um gute Blätter zu liefern.
In Sachsen wurden, obwohl man auf ein viel früheres Bestehen derkeideukultur als häusliches Gewerbe schliessen kann, erst zu Beginn desXVIII. Jahrh. Maulbeerplantagen in grösserem Mafsstabe angelegt, nament-lich in den Gegenden von Leipzig, Grimma, Wölkau, Meissen, Rochlitz ,Torgau u. a. O.
Sowohl hier wie in Brandenburg fanden die ausländischen Seiden-handwerker seit jeher jegliche Unterstützung; die viel verheissenden An-fänge wurden jedoch durch den 30jährigen Krieg zerstört, und was davon
4 ) Dr. Harz, Bayr. Ind.- u. Gewerbeblatt, 1892 S. 533.